Neue Überlegungen: Wasserstoffleitung in der Lausitz könnte kürzer verlaufen

Im südlichen Brandenburg wird über eine modifizierte Route für das Wasserstoffkernnetz debattiert. Kürzere Wege stehen plötzlich im Fokus.

heute 16:59 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich schien der Kurs der Wasserstofftrasse in der Lausitz gesetzt: Berlin, Rüdersdorf, Eisenhüttenstadt und dann das sogenannte "Bananen-Modell" nach Boxberg – das war bisher der Plan. Doch plötzlich kursieren andere Ideen. Statt dieser langen Schleife in Form einer Banane ist nun eine merklich kürzere Variante Gegenstand ernster Überlegungen. Die Rede ist von einer Anbindung via Lauchhammer und dem Industriepark Schwarze Pumpe, das wurde im Branchen-Newsletter von Politico berichtet. Selbst das Brandenburger Wirtschaftsministerium bestätigte, dass hierzu Gespräche laufen. Roland Peine, technischer Geschäftsführer im Industriepark Schwarze Pumpe, bringt es so auf den Punkt: "Die Lausitz-Banane war gestern, die neue Strecke ist klar kürzer und dadurch wirtschaftlich deutlich attraktiver." Es klingt nach typisch deutschen Pragmatismus: Statt endloser Neubaudebatten könnte eine längst existente Gasleitung genutzt werden. Schneller gebaut, weniger Bürokratie – zumindest auf dem Papier. Ob das alles so unkompliziert klappt, weiß man natürlich nicht, aber die Hoffnung schwingt mit. Innerhalb von drei Jahren könne man starten, meint Peine. Für Optimismus sorgt noch etwas: Die großen Verbraucher entlang der alten Route, wie das ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt und das H2-ready-Kraftwerk in Jänschwalde, sind ohnehin vom Tisch. Beides Projekte, die zwischenzeitlich eingestellt wurden. In Schwarze Pumpe dagegen warten gleich zwei starke Abnehmer auf den Wasserstofffluss: ein Kraftwerk von Leag und eine Power-to-Liquid-Fabrik von Enertrag. Dennoch muss die Bundesnetzagentur zu allem ihr Okay geben. Deren Sprecher stellt zumindest in Aussicht, dass spätere Änderungen bei Bedarf nicht ausgeschlossen sind. Im Moment rechnet die Bundesnetzagentur frühestens ab 2034 mit einer Wasserstoffanbindung für die Region – das ist natürlich trotzdem noch ein weiter Weg.

Im Kern geht es darum, die bisher geplante, aber durch weggefallene Großabnehmer an Bedeutung verlierende "Lausitz-Banane" durch eine kürzere, direktere Wasserstofftrasse zu ersetzen. Die vorgeschlagene Strecke käme nicht nur schneller, sondern auch günstiger voran, da eine vorhandene Gasleitung genutzt werden könnte und die beiden wichtigsten Bedarfsträger für Wasserstoff sich in Schwarze Pumpe befinden. Trotz Euphorie über die neue Variante ist ein Umbau nur möglich, sofern die Bundesnetzagentur zustimmt – und die sieht den Wasserstoffanschluss der Region ohnehin frühestens in den 2030er Jahren. Aktuell sehen mehrere Medien die deutsche Wasserstoffstrategie im Druck, weil Verzögerungen und Planänderungen – so wie in der Lausitz – auch an anderen Standorten für Unsicherheit sorgen. Laut FAZ rücken alternative Leitungsplanungen immer wieder auf die Agenda, weil Großprojekte auf Wasserstoffbasis kurzfristig gestrichen werden oder wirtschaftliche Unsicherheit herrscht. Gleichzeitig werden neue Fördertöpfe und Pilotprojekte diskutiert, wie es bei t3n.de heißt, um die Umsetzung in Schlüsselregionen zu beschleunigen, doch vielerorts behindern lange Genehmigungsverfahren den Baubeginn.

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