„So eine gewichtige Frage zählt definitiv nicht zu den Dingen, die man mal schnell morgens spontan aufs Tableau setzt.“ Anke Wirsing und Sven Küntzel haben in ihrer Stellungnahme keine Scheu, an der eigenen Fraktionsführung deutliche Kritik zu üben. Ihrer Ansicht nach hätte der Beschluss, die Koalition fortzusetzen, schriftlich vorbereitet und allen Mitgliedern rechtzeitig mitgeteilt gehört – keine ad-hoc-Abstimmung aus dem Stegreif also. Laut Wirsing und Küntzel fühlt sich die interne Abstimmung wie überrumpeln und übergehen an, wobei sie beide ohnehin nicht komplett dabei sein konnten bzw. aktiv gegen diese Linie gestimmt hätten, hätten sie mehr Einfluss gehabt. Küntzel betont, dass er auf den Standpunkt des BSW-Bundesvorstands verweist, der ein Ende der Koalition favorisiert. Auch Wirsing, die bereits vor Tagen ihre Nicht-Teilnahme angekündigt habe, will keinesfalls von ihrem Kurs abweichen, den sie auf Bundesebene selbst mitbestimmt hat. Unterm Strich: Das Stimm- und Anwesenheitsverhalten war offenbar allen klar, dennoch wurde nach außen eine vermeintliche Einstimmigkeit präsentiert. Was wie ein interner Disput anmutet, birgt Sprengkraft für die Landesregierung – denn die dünne Mehrheit könnte kippen, sollte sich das BSW weiter zerlegen, und würde die Mehrheitsverhältnisse im Landtag empfindlich verschieben.
Der Konflikt in der Thüringer Landtagsfraktion des BSW hat sich verschärft, nachdem zwei Abgeordnete den als einstimmig präsentierten Beschluss zur Fortsetzung der Regierungsarbeit als übereilt und formal fragwürdig kritisieren. Die interne Uneinigkeit tritt in einer politisch hochbrisanten Situation auf, da das Bündnis mit CDU und SPD auf eine knappe Mehrheit angewiesen ist. Hintergrund ist eine generelle Orientierungskrise des BSW zwischen Landes- und Bundesebene, zumal der Bundesvorstand einen Koalitionsbruch befürwortet, was die Spannungen zwischen den Akteuren weiter verschärft. Zusätzlich wurde in mehreren Medien auf die brüchige Stabilität der Landesregierung hingewiesen und darauf, wie solche Auseinandersetzungen die politische Arbeit lähmen oder sogar Regierungskrisen auslösen können. Zeitgleich mit dem innerparteilichen Ringen gibt es bundesweit Diskussionen über die Zukunft der neuen Wagenknecht-Partei, deren Profil und Handlungsfähigkeit wegen solcher Ereignisse vielfach kritisch hinterfragt wird.