Warnstreiks legen sechs deutsche Seehäfen teilweise lahm: Verdi macht Druck

Die Gewerkschaft Verdi hat am Montagabend gezielt Warnstreiks in sechs deutschen Seehäfen ausgerufen. Hintergrund ist ein festgefahrener Tarifkonflikt, in dem sich die Fronten zunehmend verhärten.

vor 57 Minuten | 3 mal gelesen

Es betrifft diesmal die großen Namen: Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake. Sechs Schlüsselpunkte für deutsche Im- und Exporte – und überall ruft Verdi zur Arbeitsniederlegung auf, und zwar für volle 24 Stunden ab dem Start der Nachtschicht am Montag. Der Grund ist wenig überraschend, aber die Stimmung ist spürbar gereizt. Hauptsächlich stehen Verbesserungen bei den Löhnen auf dem Zettel: Die Gewerkschaft fordert eine Anhebung um stolze 8,2 Prozent oder wenigstens 2,50 Euro pro gearbeiteter Stunde, die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll auf zwölf Monate begrenzt bleiben. An der Basis herrscht Frust: Das jüngste Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) wurde von den Hafenarbeitern wuchtig abgelehnt. Kein Wunder, immerhin lag deren Vorschlag mit 5,1 Prozent Erhöhung über 19 Monate deutlich unter den Erwartungen – und zusätzliche Pauschalen und Urlaubsgeld reichen laut Verdi für die unteren Lohngruppen einfach nicht aus. Der Arbeitgeberverband reagierte eher ratlos und wollte zunächst keinen neuen Gesprächstermin. Sylvi Krisch, die an vorderster Front für Verdi verhandelt, betont, wie essenziell die Hafenarbeiterinnen und -arbeiter für die Infrastruktur und das Funktionieren aller Abläufe sind. Wer die Schlagadern des Welthandels am Puls hält, will fair entlohnt werden. Dass die Kritik an zu langen Laufzeiten und ungleichen Aufschlägen besonders scharf ist, überrascht kaum – schließlich trifft die Inflation gerade die unteren Lohngruppen hier besonders unangenehm. Vielleicht ist es auch diese Mischung aus Stolz und Wut, die der Sache ihren Nachdruck verleiht.

Verdi hat durch koordinierte Warnstreiks in mehreren großen Seehäfen den Druck erheblich verstärkt. Mit der Forderung nach deutlichen Lohnerhöhungen und einer kurzen Laufzeit des Tarifvertrags setzt die Gewerkschaft Arbeitgeber wie Politik gleichermaßen unter Zugzwang. Die Proteste spiegeln die Unzufriedenheit über zu geringe Angebote und lange Vertragslaufzeiten wider – Themen, die derzeit viele Branchen beschäftigen. Neuere Medienberichte berichten, dass die Umschlagsmengen durch die Streiks bereits spürbar zurückgehen und sich Schiffe stauen. Während sich international Lieferketten von Hafenstreiks unmittelbar beeinflussen lassen, stehen sowohl Industrie als auch Handel vor der Herausforderung, auf kurzfristige Ausfälle zu reagieren (siehe auch [taz](https://taz.de) und [FAZ](https://faz.net)). Langfristig werden die Verhandlungen vermutlich zu einem Kompromiss führen müssen, denn die Bedeutung der Hafenarbeiter als Rückgrat der Exportnation bleibt unbestritten.

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