Prien will nach Pisa-Schock das Bildungsmonitoring verschärfen

Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Pisa-Studie setzt Bundesbildungsministerin Karin Prien verstärkt auf ein genaueres und transparenteres Bildungsmonitoring. Damit sollen die Unterschiede im Bildungsniveau zwischen den Bundesländern endlich präzise messbar werden – auch weil die Finanzlage angespannt bleibt, aber gezielte Investitionen nötig sind.

heute 10:57 Uhr | 2 mal gelesen

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat nach den jüngsten Pisa-Ergebnissen eine neue Strategie parat. Sie fordert ein Monitoring, das wirklich ins Detail geht – schließlich bleiben die bisher erhobenen Bildungsdaten in ihren Augen zu pauschal, zu schwammig.

Unterschiede endlich sichtbar machen

Mit einer Art bildungspolitischem Röntgengerät, so könnte man meinen, will Prien die bundesdeutschen Unterschiede zwischen Bayern, NRW und anderen endlich schärfer auflösen. Denn: Wenn einer von Pisa spricht, herrscht zwar große Aufregung in Berlin – ob die Probleme lokal längst angegangen werden oder nicht, bleibt bislang oft unklar.

Prien findet, bisher fehlt die Klarheit: "Zwischen den Ländern gibt es gewaltige Unterschiede – das aktuelle Monitoring zeigt das nur unzureichend." Daher müsse Erhebung und Auswertung weiter differenziert werden, etwa nach Jahrgängen und je nach Unterrichtsentwicklung. Nur fortlaufende, punktgenaue Datenerhebung zeige, ob reformerische Maßnahmen tatsächlich im Klassenraum ankommen.

Geld bleibt knapp – Prioritäten gefragt

In der laufenden Haushaltswoche im Bundestag ist der Spardruck auf allen Ebenen spürbar – das weiß auch Prien. Trotz der angespannten Kassenlage hat ihr Ressort beim Digitalpakt und für Kita-Qualität noch Investitionsspielräume gefunden.

Das passierte, so gibt sie zu, nicht ohne Rangeleien im politischen Umfeld. "Ich habe mit einigem Aufwand Mittel für den Digitalpakt aus dem Sondervermögen gesichert", sagt Prien. Außerdem startet das Gesetz für mehr Startchancen und Qualität in Kitas, das zusätzliche 1,5 Milliarden Euro bereitstellen soll.

Neue Roadmap: Daten, Geld und Taten verknüpfen

Über das übliche Klein-Klein hinaus kündigt Prien an, gemeinsam mit den Ländern eine Art Handlungsleitfaden – einen "Roadmap-Prozess" – zu etablieren, mit konkretem Maßnahmenpaket und gesicherter Finanzierung. Entscheidend, so Prien, sei aber, dass der Erfolg dieser Schritte anhand fortlaufend erhobener Daten kontrolliert werde. Dafür sollen die Monitoring-Strukturen angepasst oder neu geschaffen werden.

Mehr Evidenz, weniger Symbolpolitik – das ist der Anspruch. Ob das gelingt? Eine offene Frage. Klar ist: Nach „Pisa Deutschland“ braucht es dringend eine zerlegbare Sicht auf die Bildungsentwicklung – und zwar nach Regionen, Schulformen, Jahrgängen und mit Blick auf die tatsächlichen Verbesserungen.

Föderale Bitternis – und Chancengerechtigkeit?

Was Schülerinnen und Schüler in Bayern oder Bremen konkret aus Pisa lernen sollen, ist bislang keineswegs klar geregelt. Nach Ansicht von Prien sind einige Länder schon auf Kurs, andere „hinken noch hinterher“ – aber das wirklich zu bewerten, geht derzeit mit den verfügbaren Zahlen schlicht nicht.

Deshalb sollen die Daten künftig so ausgewertet werden, dass für Eltern, Lehrkräfte und Politik transparente Vergleiche möglich sind. Nur dann können sinnvolle Impulse gesetzt und notwendige Ressourcen dorthin umgelenkt werden, wo der Schuh drückt. Ein Punkt, der insbesondere in Zeiten leerer Kassen politisch brisant bleibt.

Pisa-Debatte erreicht die politische Praxis

Das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie bringt einmal mehr die Schwächen des bestehenden Bildungssystems und Monitorings ans Tageslicht. Karin Prien will diese Bestandsaufnahme nicht einfach hinnehmen, sondern hält ein strengeres, transparenteres Bildungsmonitoring für den Weg aus der Misere. Über eine reine Reaktion hinaus verbindet sich mit dem Vorstoß auch eine Diskussion um die gerechte Vergabe von Ressourcen und die Notwendigkeit, Bildungsmaßnahmen endlich nachweisbar wirksam zu machen.

Neuere Entwicklungen und Hintergrundinfos

In den vergangenen Tagen berichten zahlreiche Medien intensiv über die prekäre Lage des Bildungssystems. Die FAZ hebt hervor, dass Lehrkräftemangel und steigender Reformdruck auch auf die föderale Struktur zurückfallen und die Debatte um Bildungsstandards weiter anheizen.

Gleichzeitig hat die Zeit herausgearbeitet, dass besonders die digitalisierungsbezogenen Defizite im Schulsystem kritisch gesehen werden – und der Digitalpakt als Hoffnungsträger, aber auch Prüfstein für die Wirksamkeit staatlicher Investitionen gilt.

Auf Spiegel Online geht es unter anderem um die zunehmende Rolle von sozialen Faktoren für Bildungserfolg. Der Weg zu mehr Chancengleichheit sei steinig, Monitoring daher kein Selbstzweck, sondern zentrale Grundlage für gerechte Politik.

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