Wer in die türkische Mittelmeerregion reist, begegnet so manch eindrucksvollem Erbe der Antike. Letztes Jahr sorgte die Region Burdur für Schlagzeilen. In Kibyra, berühmt als die 'Stadt der Gladiatoren', kamen nicht nur prachtvolle Überreste eines Stadions für zehntausende Zuschauer, sondern gleich zwei kolossale Kaiser-Hadrian-Statuen am schmucken Eingangstor zutage – irgendwie unwirklich, zwischen Zypressen und kargem Stein. Auffällig ist, wie durchdacht die Stadt gebaut wurde: Nichts verdeckt hier – außer vielleicht die Fantasie – das Licht oder die Sicht auf die Nachbarn. Das Gladiator-Stadion, das auffällige Medusa-Mosaik und ein neu restauriertes Hellenistengrab bringen Leben ins Mauerwerk. Und ein Relief an der Nordwand zeigt ein antikes Tropaion – quasi ein Selfie, nur in Marmor gehauen, nach siegreichem Kampf.
Weiter bergauf, in Sagalassos, offenbaren die Ausgrabungen am Odeon eine fast mystisch anmutende Statue eines jungen Mannes, vermutlich Pan, mit dem typischen Hirtenstab. Nur Kopf und Arm fehlen ihm noch, vielleicht liegen sie im Staub vergangener Jahrhunderte. Nebenbei stießen die Forscher an einem Nymphäum auf fein ziselierte Darstellungen von Artemis, Ares und Apollo – als hätte jemand sein ganz privates Pantheon für spätere Generationen hinterlassen. Das Amphitheater und der Antoninische Brunnen plätschern wieder, zumindest sinnbildlich, als gehöre dieser Ort nicht der Vergangenheit, sondern einem Filmset – Geschichten über Liebe und Macht inklusive.
Auch außerhalb von Burdur bleibt die Zeit alles andere als stehen: In Antalya, dem bunten Schmelztiegel zwischen Römertum und Sonne, gruben Archäologen eine monumentale Marmorgruppe aus. Asklepios, Gott der Heilkunst, mit Sohn Telesphorus, makellos in weißem Stein – ein leibhaftiges Zeugnis einer Stadt, die einst Pilger und Patienten anzog. Apropos Heilung: In Sardes, irgendwo an der Ägäis, wurde die Statue eines jungen Mannes aus vorsintflutlichen Tagen geborgen. Bald schon soll sie im Museum von Manisa stehen, bereit, neue Geschichten zu erzählen – aus Staub, Stein und vielleicht aus der Zukunft.
Die archäologischen Entdeckungen aus Burdur, Antalya und Manisa beweisen einmal mehr, wie tief die Türkei in ihrer Vergangenheit verwurzelt ist. Mit Sagalassos, Kibyra, Aspendos und Sardes stehen gleich mehrere antike Städte im Fokus internationaler Forschung und des Kulturtourismus: Prächtige Statuen, Gladiatorenreliefs und monumentale Bauwerke werden durch Ausgrabungen sichtbar, wobei der Ansatz zunehmend auf nachhaltige Restaurierung abzielt – nicht zuletzt, um Reisende anzulocken. Neu ist, dass von offizieller Seite großer Wert auf die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung, UNESCO-Anerkennung und der Entwicklung von Tourismusstrategien (u. a. mit digitalen Angeboten und hochauflösender Fotodokumentation) gelegt wird.
So werden die Schätze systematisch für unterschiedlichste Besuchergruppen erschlossen – von Kulturinteressierten bis Wanderfreunden. Erst aktuell (Juni 2024) berichten Medien wie die Süddeutsche Zeitung oder die Deutsche Welle über einen Nachfrage-Boom nach archäologischen Reisen in der Region Antalya, verstärkt durch die neuen Funde und ihre mediale Aufmerksamkeit. Die Türkei nutzt Initiativen wie das Programm „Legacy for the Future“ (Erbe für die Zukunft), um ihre zahlreichen Welterbe-Stätten gezielt zu vermarkten und so ihre Rolle als bedeutende Destination für Kulturtourismus weiter auszubauen.