Vergessene Schätze: Neue Ausgrabungen in Hattuscha werfen Licht auf uralte Zivilisationen

Zwischen Euphrat, Tigris und dem Nil verlief die Wiegenzeit Europas – doch der Weg dahin führte mitten durchs Herz Kleinasiens. Die heutige Türkei ist übersät von Relikten uralter Kulturen, deren unglaubliche Spuren noch immer im Staub Anatoliens ruhen. Erst jüngst stießen Archäologen in Hattuscha auf drei bislang verborgene Gräber aus dem späten vierten und dritten Jahrhundert vor Christus.

26.08.26 10:51 Uhr | 2508 mal gelesen

Wenn man von archäologischen Hotspots spricht, muss man Hattuscha erwähnen – eine Stadt, die, seltsam abgelegen zwischen Feld und Felsen, die imposante Hauptstadt der bronzezeitlichen Hethiter im heutigen Çorum war. Kaum vergeht ein Monat, in dem nicht irgendwo am Rand der Ruinen eine neue Sensation ausgebuddelt wird. Das altbekannte Tontafel-Archiv – über 30.000 Stück – stapelt sich wie ein noch ungeöffneter Wissensschatz, wartet im Stillen auf all seine Geschichten und Geheimnisse.

Auf dem Zenit ihrer Macht kontrollierten die Hethiter halb Anatolien: Von der Ägäis bis zur syrischen Steppe, Handelsrouten versponnen das Reich wie ein Nervenstrang. Es klingt fast wie ein Märchen: Städte voller Tempel, Festungen, Paläste. Über allem ragt ein Pergament heraus: Der Frieden von Kadesch mit den Pharaonen. Bis heute bestaunt (und das völlig zurecht) im Museum von Istanbul – ein uralter Friedensvertrag als Mahnmal wider den Krieg.

Politik und Alltag kamen damals übrigens keineswegs chaotisch daher. Die Pankus, eine Art beratende Versammlung, tagte wie ein antiker Rat. Rechte und Pflichten wurden schriftlich geregelt, Annalen festgehalten – und selbst den ältesten Staudamm Anatoliens, der auch heute noch Wasser verteilt, haben die Hethiter gebaut. Inmitten der antiken Stadt, die sich wie ein steinernes Puzzle in die blühende Ebene drückt, steht Hattuscha für eine Epoche, deren Nachhall sich kaum abschütteln lässt.

Was heute als Tourist durch die Ruinen schlendert, sieht Überreste: Löwentor, Königstor, das prunkvolle Sphinx-Tor in der Oberstadt, dort, wo das Leben brummte. Der Büyükkale-Palast ruht auf den Anfängen und darunter verborgen: vielleicht weitere Jahrtausende Geschichte. Wer den kleinen Umweg macht, landet im Open-Air-Heiligtum Yazılıkaya – Felsreliefs flüstern dort von alten Göttern. Daneben locken Orte wie Alacahöyük als einstige Kulturzentren.

Doch Hattuscha bleibt auch über die Blüte der Hethiter hinaus voller Rätsel. Der aktuelle Ausgrabungsfund liefert bald 17 verschiedene Gräber, darunter drei ganz frisch entdeckte – teils mit auffällig gut erhaltenen Skeletten, Steinumfassungen und auffälligen Grabbeigaben wie einem hübsch gearbeiteten Messer. All das zeigt: Hier war länger noch Leben, vielleicht auch neue Herrscher, Generationen nach dem offiziellen Untergang des Hethiterreiches.

Wer mehr erfahren will, besucht am besten das Museum der anatolischen Zivilisationen in Ankara – wobei der berühmte Brief einer ägyptischen Königin an den hethitischen König schon für sich genommen eine Reise wert ist. Und überhaupt, Ankara: Von der Zitadelle bis zu Atatürks Grab und den heißen römischen Bädern, strotzt die Hauptstadt vor Kontrasten zwischen alt und neu.

Zur Anreise: Der nächste Flughafen ist Amasya Merzifon, gut eine Autostunde von Çorum entfernt.

Für den Magen empfiehlt sich, die lokalen Spezialitäten wie Iskilip Dolması und Çorum Mantısı zu probieren. Und klar – als Mitbringsel sorgt ein Päckchen gerösteter Kichererbsen (Leblebi), am besten gleich mit Schoko, für Freude zuhause.

Neue Ausgrabungen in Hattuscha bringen nicht nur bislang verborgene Gräber zutage, sondern erweitern unser Bild einer spätantiken Weiterbesiedlung dieses sagenumwobenen Ortes. Fachleute betonen, wie wenig eigentlich über das spätere Hattuscha bekannt sei – insbesondere die Gräber der Galater- und hellenistischen Zeit werfen neue Fragen auf: Wer waren diese Menschen, die hier noch Bestattungen vornahmen, obwohl das Hethiterreich schon lange gefallen war? Der Fund eines nahezu komplett erhaltenen Grabes mit wertvollen Beigaben – darunter ein fein gearbeitetes Messer – zeigt, dass auch nach den Hethitern weiterhin eine starke, vielleicht sogar wohlhabende Gemeinschaft in Hattuscha existierte. Nach Recherchen auf den genannten Nachrichtenseiten ist festzuhalten, dass Experten und die Türkei als Staat vermehrt auf den touristischen und identitätsstiftenden Wert von Stätten wie Hattuscha setzen, was auch die jüngsten politischen Debatten um Kulturerbe und nationale Geschichte widerspiegelt. Die internationale Aufmerksamkeit wächst, was sich nicht zuletzt an erfolgreichen Ausstellungen, steigenden Besucherzahlen und stetig neuen interdisziplinären Projekten zeigt. Besonders aktuelle Artikel unterstreichen, dass sich die Archäologie – auch angesichts geopolitischer Spannungen – zunehmend als 'Soft Power' im kulturellen Austausch versteht.

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