Skepsis gegenüber Sonderrente für schwere Berufe: Experten mahnen zur Vorsicht

Wirtschaftsrat Martin Werding lehnt spezielle Rentenprivilegien für körperlich belastende Berufe ab – die Praxis im Ausland sei ein fragwürdiges Vorbild.

heute 16:29 Uhr | 5 mal gelesen

Martin Werding, der schon in der Rentenkommission mitgewirkt hat, sieht Sonderrenten für schwere Tätigkeiten kritisch. Laut ihm orientiert sich die Liste der 'belastenden Berufe' meist mehr an Lobbyeinfluss als an echter arbeitsmedizinischer Notwendigkeit – so seine recht deutlichen Worte gegenüber dem Handelsblatt. Was in Österreich als "Schwerarbeitspension" gilt und von SPD-Politiker Dirk Wiese nun angepriesen wird, sei eigentlich noch an überholten Vorstellungen von Harter-Arbeiter-Jobs ausgerichtet. Tatsächlich nimmt psychische und mentale Belastung im Alter eher zu, meint Werding und betont: Die lassen sich keineswegs so klar von Berufsgruppen abgrenzen, wie es noch bei körperlichen Einschränkungen der Fall war. Auch Christine Mayrhuber vom österreichischen WIFO sagt, die Schwerarbeitspension sei teils bloß ein „aus der Not geborenes Hilfskonstrukt“. Es fehle schlicht an fundierten Daten über die echten Belastungen am Arbeitsplatz – sowohl in Österreich wie in Deutschland. Wien habe die Regeln daher pragmatisch, anhand nachvollziehbarer Kriterien gestrickt. Doch ausgerechnet in Deutschland, so Werding weiter, habe die Rentenversicherung gar keine präzise Übersicht, wer welchen Beruf wirklich ausübt. Kurz: Für ein deutsches Modell fehlt die Datenlage – und im Nachbarland melden immerhin die Unternehmen solche Jobs offiziell, ein System, das es so hierzulande nicht gibt.

Der Streit um eine spezielle Rente für schwere oder besonders belastende Berufe entzündet sich an der Frage, ob das österreichische Modell als Vorbild taugt. Kritiker wie Werding und Mayrhuber sehen deutliche Schwächen: Viele Berufskategorien gelten nur deshalb als 'schwer', weil sie politisch oder durch starke Interessengruppen auf die Liste gelangten, und echte arbeitsmedizinische Forschung fehlt oft. Gleichzeitig macht die Zunahme von psychisch bedingten Frühverrentungen eine Zuordnung zu bestimmten Berufen schwierig. Hintergründig ist das Thema auch gesellschaftlich brisant: Bedeutet eine Sonderrente gesundheitlichen Schutz, sozialen Ausgleich oder bloß politische Symbolik? Aktuell fehlt auf deutscher Seite eine solide Datenbasis, um solche Modelle fair und effektiv umzusetzen. Nach jüngeren Medienberichten ist das Thema in mehreren EU-Ländern aktuell – es gibt Diskussionen um Gerechtigkeit, Kosten und Sinnhaftigkeit. Ob sinnvoll oder nicht: Der Fokus verlagert sich immer mehr von physischer auf psychische Belastung, und das scheint vielen Entscheidern kaum bewusst.

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