Kretschmann lobt Merz, verteidigt Spahn – und stichelt gegen Scholz

Winfried Kretschmann, einstiger Ministerpräsident Baden-Württembergs und langjähriger Grüner, findet lobende Worte für Friedrich Merz‘ Regierungshandeln und nimmt Jens Spahn in Schutz – während er Ex-Kanzler Scholz scharf kritisiert.

heute 16:59 Uhr | 4 mal gelesen

Dass Friedrich Merz anfangs keine Regierungserfahrung auf Bundesebene hatte – geschenkt, meint Winfried Kretschmann im Gespräch mit der SZ. 'Er hat eine steile Lernkurve hingelegt', findet Kretschmann. Gerade das außenpolitische Auftreten von Merz kommt bei Kretschmann gut an: 'Das war alles in Ordnung, kein Anlass zur Klage.' Und doch gibt’s einen Haken: Der unglückliche WM-Fußball-Kommentar Merz' sei, so Kretschmann, ein Fehler gewesen. 'Sowas nagt an der Glaubwürdigkeit. Da verliert man sich schnell in öffentlicher Beliebigkeit', reflektiert er, und klingt für einen kurzen Moment fast mitleidig. Bei Olaf Scholz hingegen hört die Nachsicht auf: Massive Kritik an dessen Kommunikationsstil – im Kern, so Kretschmann, habe Scholz schlichtweg jede Kommunikation verweigert. Dann der kleine Sprung zum Maskenskandal um Jens Spahn: Hier springt Kretschmann für den CDU-Politiker in die Bresche. Denn in den ersten Tagen der Pandemie sei es einfach nur darum gegangen, irgendwie Schutzausrüstung zu bekommen – koste es, was es wolle. Aufgeheizte Preisauktionen auf asiatischen Flughäfen, pure Verzweiflung, Ängste und Ungewissheit – das sei die Lage gewesen. 'Keiner wusste, was kommt. Nicht der richtige Moment für den luxuriösen Rückblick bei Rotwein.'

Kretschmann mischt sich ungewohnt offen in aktuelle bundespolitische Debatten: Während er Friedrich Merz für dessen außenpolitisches Auftreten und schnelle Lernfähigkeit hervorhebt, mahnt er zu mehr Fingerspitzengefühl bei öffentlichen Statements, wie etwa den umstrittenen Worten zur deutschen Fußballnationalmannschaft. Olaf Scholz‘ Regierungsstil beurteilt Kretschmann äußerst kritisch, vor allem bezogen auf mangelnde Kommunikation. Bezüglich der Maskenbeschaffung während der Pandemie nimmt er Jens Spahn ausdrücklich in Schutz und verweist auf die schwierigen Umstände jener ersten Corona-Monate, wo es um schnelle, pragmatische Lösungen ging – ein Punkt, der nach wie vor polarisiert. Aktuelle Recherchen zeigen, dass die Diskussion um politische Kommunikation und das Krisenmanagement deutscher Regierungen nach wie vor hochaktuell sind: Während Merz seinen Führungsstil positioniert und sich gegen Kritik behauptet, gibt es weiterhin Aufarbeitung der Pandemiezeit, insbesondere was Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial betrifft. Zudem ist eine neue Debatte um Glaubwürdigkeit und Authentizität von Politikerstatements und ihrer öffentlichen Wirkung entbrannt – nicht zuletzt durch vergleichbare Fauxpas anderer Spitzenpolitiker.

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