Es ist eigentlich nur eine Randnotiz im alltäglichen Nachrichtenrauschen, aber irgendwie auch eine kleine Offenbarung: Für satte 74 Prozent der Deutschen spielt das Geschlecht des nächsten Bundespräsidenten gar keine Rolle – das zeigt eine Umfrage, die RTL und ntv bei Forsa bestellt haben. Natürlich gibt es Leute mit klaren Präferenzen. 19 Prozent wünschen sich gezielt eine Frau an der Spitze, nur 5 Prozent wollen lieber wieder einen Mann. Ich finde diese Zahlen erstaunlich ruhig – fast schon wider das Klischee, die Deutschen seien so versessen auf Symbolpolitik oder auf Quoten. Besonders auffällig: Auch die weiblichen Teilnehmenden sind überwiegend entspannt beim Thema Bundespräsident*in – 68 Prozent ist das völlig egal, nur 27 Prozent wünschen sich eine Präsidentin. Männer: ähnlich gelassen. Und während die meisten Parteien keinen echten Unterschied machen, stechen vor allem Anhängerinnen und Anhänger der Linken (43 Prozent) und der Grünen (39 Prozent) mit dem Wunsch nach einer Frau hervor. Ein weiteres Detail am Rande: Die Daten stammen aus Befragungen vom 5. und 6. August, immerhin rund 1.000 Stimmen stark. Spontan frage ich mich, ob Zahlen wie diese ein Zeichen gesellschaftlicher Gelassenheit oder Gleichgültigkeit sind – oder vielleicht von beidem.
Die Zahlen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen dem Geschlecht des/der Bundespräsident*in gleichgültig gegenübersteht, wobei die Tendenz in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern ähnlich hoch ist. Interessanterweise sind insbesondere die Anhänger*innen grüner und linker Parteien offener für eine Frau im Amt, doch dominierend ist insgesamt die Gleichgültigkeit. Jüngere Debatten um Repräsentation und Gleichstellung im politischen Top-Level finden hier einen nüchternen Resonanzboden, was mit anderen gesellschaftlichen Diskussionen kontrastiert. Vergleicht man mit anderen Ländern, zeigt sich: Auch in Europa geht der Trend teils zu pragmatischeren Sichtweisen auf Spitzenämter, unabhängig vom Geschlecht. Besonders im Kontext voriger Präsidentschaftswahlen heben Medien hervor, dass symbollastige Debatten um Geschlechterrollen in Deutschland an Einfluss verlieren. Vielfach verweisen Kommentare auf die eigentlichen Aufgaben und Fähigkeiten der Bewerber*innen. Nicht zuletzt betonen jüngste Berichte, dass ideologische Präferenzen bei Wahlumfragen allgemein an Gewicht verlieren und Sachthemen wichtiger werden.