Städtetag befürchtet massiven Einschnitt beim Nahverkehr

Dem deutschen ÖPNV droht ein erheblicher Rückgang – Städte schlagen Alarm wegen Finanzproblemen.

heute 09:41 Uhr | 2 mal gelesen

Christian Schuchardt, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, machte im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" keinen Hehl aus seiner Sorge: Bereits ab 2026 oder 2027 könnte das Angebot beim Nahverkehr in Deutschland um mehr als zehn Prozent schrumpfen. Städte müssten Fahrpläne ausdünnen, ganze Verbindungen streichen und besonders Zusatzangebote, etwa für Touristen, abschaffen. Haupttreiber dieser Entwicklung ist, so Schuchardt, das chronisch klamme Haushaltsbudget vieler Kommunen, das einfach nicht ausreicht, um das aktuelle Angebot aufrechtzuerhalten. Bis 2029 fehlen nach seinen Angaben mindestens 14 Milliarden Euro – eine gigantische Finanzierungslücke. Noch verschärft wird das Problem durch weiter steigende Trassenpreise im Regionalverkehr, die mittlerweile mit zusätzlichen 400 Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen. Schuchardt fordert daher den neuen Verkehrsminister Steffen Bilger dazu auf, zügig in Aktion zu treten. Der Wechsel im Ministerium sei Anlass genug, den Modernisierungspakt für den ÖPNV endlich konkret umzusetzen. Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD zugesagt, die Finanzierung neu aufzustellen und die Hilfen für den lokalen Schienenverkehr zu erhöhen, doch bisher fehlt es an Taten. Es bleibt zu hoffen, dass Bund und Länder sich dazu durchringen, die Trassenpreis-Erhöhung zurücknehmen und gemeinsam mit Kommunen sowie Verkehrsunternehmen künftig eine tragfähige Lösung entwickeln. Die Uhr tickt.

Städte warnen eindringlich vor einem deutlichen Abbau des Angebots im ÖPNV, wenn keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt werden. Laut Schuchardt reichen die aktuellen Förderungen des Bundes und der Länder keinesfalls, um die bestehenden Verbindungen und Fahrpläne zu sichern – zusätzliche Belastungen durch höhere Trassenpreise verschärfen die Situation noch weiter. In den letzten Tagen wurde in Diskussionen rund um den ÖPNV außerdem immer wieder die schleppende Digitalisierung, Personalengpässe und eine insgesamt unzureichende Berücksichtigung klimafreundlicher Mobilitätspolitik kritisch beleuchtet. Hinzu kommt eine breite Unzufriedenheit über die Ticketpreise trotz gleichzeitigem Sparzwang, was die Position des Nahverkehrs gegenüber dem Individualverkehr schwächt. Gerade in Metropolregionen und auf weniger ausgelasteten Linien drohen, sollten keine politischen Weichenstellungen erfolgen, einschneidende Einschränkungen bis zu ganzen Angebotsverlusten; das geht auch aus jüngsten Branchenberichten hervor.

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