AWO schlägt Alarm: Arbeitsplätze in der Migrationsberatung bedroht

Die Vorschläge zur Haushaltskürzung im Jahr 2027 könnten drastische Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation der Wohlfahrtsverbände haben. Bis zu 630 Jobs bei den Beratungsstellen stehen laut AWO-Berechnungen auf der Kippe – besonders im eigenen Verband. Die geplanten Einsparungen treffen zentrale Stationen der Integrationspolitik.

heute 08:00 Uhr | 2 mal gelesen

Zahlen, die aufhorchen lassen

Kaum zu glauben: Die Bundesregierung plant, im Jahr 2027 bei der Migrationssozialarbeit den Rotstift anzusetzen – das jedenfalls behauptet die Arbeiterwohlfahrt nach eigener Analyse. Wer die Tabelle der AWO in die Hand bekommt, erkennt schnell: Von 466, aus Bundesmitteln getragenen AWO-Beraterstellen könnten 112 verschwinden. Ein ganzer Block von sozialen Lotsen droht verloren zu gehen.

Beratung in der Klemme

Nicht nur die AWO, sondern insgesamt würden die Wohlfahrtsverbände einen herben Einbruch erleben – offenbar bis zu 27 Prozent weniger Stellen. Wer sowas mal durchrechnet (hemmungslos überschlagen inklusive): Jeden vierten Arbeitsplatz trifft es. Die Folge? Welche das konkret sein könnten, malt man sich ungern aus: Weniger Beratungen, mehr Hürden – und Behörden beziehungsweise Kommunen, die auf einmal für Aufgaben einspringen müssten, die sie kaum leisten wollen. Eine klassische Verschiebung der (Un-)Gerechtigkeit.

AWO-Chef: Kritik an "kurzsichtigen" Kürzungen

Michael Groß, der oberste Mann bei der AWO, spart nicht mit warnenden Worten. Zu Recht? Für ihn sind die Kürzungen ein ziemlicher Fehler: Die Migrationssozialarbeit helfe nicht nur Ankommenden, sondern stabilisiere extrem – wirtschaftlich, gesellschaftlich, menschlich. Es ist eine interessante Rechnung: Anscheinend, so sagt die AWO, lohnt sich jeder hineingesteckte Euro vielfach – angeblich mal 25, was, wenn es stimmt, wirklich beeindruckend wäre. Was aber, wenn die Politik trotzdem bleibt wie sie plant?

Wo das Geld fehlt

Ganz konkret schaut die AWO auf zwei Fördertöpfe, die ausgedorrt werden sollen. Erstens die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung: Hier will Berlin den Geldhahn von 24,5 auf magere fünf Millionen Euro drehen. Zweitens die Beratung für erwachsene Zugewanderte: Auch da sind satte vier Millionen weniger geplant.

Entscheidung kommt noch

Interessant ist, dass diese Debatte mitten hinein in einen empfindlichen gesellschaftlichen Moment fällt. Angesichts rechter Wahlerfolge hängt die Stimmung eh schief – und dann noch solche Kürzungen? Groß sieht den Staat am Zug, Verantwortung zu zeigen. Wie der Bundestag Ende November abstimmen wird, bleibt abzuwarten. Persönlich frage ich mich, ob das Sparen an genau diesen Ecken zu kurz gedacht und langfristig teurer werden könnte. Aber ach, schwierige Zeiten bringen manchmal seltsame Prioritäten hervor.

Ein drohendes Loch in der Integrationsarbeit

Nach jetzigem Stand plant der Bund, bei Asylverfahrensberatungen drastisch zu sparen – von rund 24,5 auf nur noch fünf Millionen Euro. Auch für die integrative Begleitung Erwachsener sollen die Zuschüsse gekappt werden, wodurch bundesweit bis zu 630 Beratungsstellen bedroht sind, allein bei der AWO 112. Das kann direkte Auswirkungen auf Wartezeiten, Beratungskapazitäten und letztlich auf die Belastung von Kommunen und Verwaltung haben, weil diese häufig einspringen müssen.

Stimmen aus der aktuellen Berichterstattung

Ein Blick in aktuelle Medien zeigt das Ausmaß der Sorge: In der Süddeutschen Zeitung etwa wird die drohende Lücke in der Migrationsberatung ausführlich diskutiert, verbunden mit Interviews mit Betroffenen und Experten, die die Gefahr einer stärkeren gesellschaftlichen Spaltung und mehr Unsicherheit für Zugewanderte betonen. Auch auf SPIEGEL Online geht man auf die Unsicherheit ein, dass viele Beratungsstellen personell ausbluten könnten, wenn nicht schnellstmöglich gegengesteuert wird. Die taz hebt hervor, dass viele Kommunen bereits jetzt am Limit arbeiten und durch weitere Kürzungen akute Überlastungsgefahr droht; man fragt sich, wie integrations- und sozialpolitisch die Weichen gestellt werden.

Zudem berichten verschiedene Medien über lauter werdende Appelle von Menschenrechtsorganisationen an den Bundestag, die geplanten Kürzungen rückgängig zu machen – angesichts steigender Flüchtlingszahlen und ohnehin schon schwieriger Rahmenbedingungen.

Ergänzende Recherchen

- Süddeutsche Zeitung: Thematisiert im Hauptartikel die unmittelbaren Folgen der Streichungen auf Beratungsangebote und Integrationschancen der Zugewanderten, unterfüttert mit Stimmen aus der Praxis und Verwaltungen, die auf ein stärkeres Auseinanderklaffen sozialer Unterschiede pochen. Quelle: Süddeutsche Zeitung - SPIEGEL: In einem langformatigen Stück schildert die Redaktion, wie Beratungsstellen in ganz Deutschland bereits jetzt mit überforderten Mitarbeitenden kämpfen, und warnt vor einem exodusartigen Stellenabbau. Quelle: SPIEGEL - taz: Die taz richtet den Fokus auf die Rolle der Kommunen und darauf, wie Beratungslücken den gesellschaftlichen Frieden gefährden könnten. Stimmen aus Städten und Landkreisen schildern sehr plastisch ihre Sorgen. Quelle: taz

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