An der Schnittstelle zwischen Bürokratie und politischer Prioritätensetzung ist bislang einiges im Argen. Zwar wird mittlerweile mehr Geld in Umbauten für die bestehende Flotte gesteckt, doch echte Innovationskraft, also die Entwicklung und Anschaffung komplett neuer, niedrigwasseroptimierter Schiffe, fällt durch das Raster. Das Problem: Die Preise für moderne Binnenschiffe sind in den letzten Jahren förmlich explodiert – aus früheren vier oder fünf Millionen Euro sind heute leicht sieben oder acht geworden. Damit wird jedes neue Projekt ein finanzieller Drahtseilakt. Und ein Zusatzhaken: Viele dieser Spezialschiffe sind mit ihrer klobigen Breite auf gängigen Kanälen gar nicht nutzbar – bei ausreichend Wasser fahren sie tendenziell sogar ineffizient. Jens Schwanen vom BDB fordert daher endlich ein Förderprogramm, das sich gezielt an solchen Innovationen orientiert. Doch wie so oft in Deutschland: Das Thema schiebt sich zwischen die Ministerien, genauer gesagt zwischen das Wirtschaftsressort und das Verkehrsministerium – ohne dass sich jemand recht zuständig fühlt.
Die Binnenschifffahrt steht unter Druck: Längere Trockenzeiten und niedrige Pegel lassen Engpässe bei der Versorgung mit wichtigen Gütern entstehen. Ohne staatliche Förderung ist der Bau moderner Niedrigwasserschiffe für die Reedereien kaum zu stemmen – hohe Kosten und technische Einschränkungen schrecken ab. Wie aktuelle Debatten um Ressortzuständigkeiten zeigen, kommt es auf eine klare politische Linie und konkrete finanzielle Unterstützung an, damit der Umbau tatsächlich Fahrt aufnimmt und das System resilienter wird. Laut einer Recherche der 'Zeit' wurden die Trockenphasen 2023 bereits bedrohlich für Teile der Industrie – die Folgen von Lieferverzögerungen werden von Branchen wie der Chemie besonders gefürchtet. Auch die Ampel-Koalition diskutiert intern, wie die Klimaanpassung der Infrastruktur schneller gelingen kann.