Rückblickend betrachtet war der Mai 2026 für den Einzelhandel tatsächlich noch ein kleiner Lichtblick. Nach Korrektur der Zahlen lag das reale Umsatzplus gegenüber April bei 1,2 Prozent, die nominale Steigerung betrug exakt 1,0 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 stand damit unterm Strich sogar ein Umsatzwachstum von real 0,7 Prozent und nominal 2,2 Prozent verglichen mit den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Im Juni allerdings drehte sich das Bild. Besonders bemerkbar machte sich das im Bereich der Tankstellen: Politische Interventionen, insbesondere der befristete Tankrabatt zur Dämpfung steigender Benzinpreise in Folge des Nahost-Kriegs, führten zu realen Zuwächsen von 2,1 Prozent gegenüber Mai, während die nominalen Umsätze sogar spürbar um 1,5 Prozent fielen. Im Jahresvergleich jedoch zeigt sich ein durchwachsenes Bild – real minus 2,1 Prozent, nominal dafür ein kräftiges Plus von 7,2 Prozent. Bemerkenswert: In die Umsatzzahlen fließen auch Shop-Erlöse an Tankstellen ein, was die Entwicklung etwas verzerrt darstellen könnte.
Im Lebensmitteleinzelhandel gab es im Juni 2026 ebenfalls keinen Anlass zur Freude: Kalender- und saisonbereinigt lagen die realen Umsätze 1,4 Prozent unter dem Vormonat. Auch nominal waren es 1,7 Prozent weniger. Gegenüber dem Juni 2025 sanken die realen Umsätze leicht um 0,6 Prozent, während sich nominal fast ein Nullsummenspiel ergab (+0,1 Prozent).
Bei den Nicht-Lebensmitteln wiederholte sich dasselbe Spiel: Real und nominal ging es jeweils um 1,0 Prozent bergab, betrachtet man den Vergleich mit 2025, wurde immerhin ein minimales Plus von real 0,2 Prozent erzielt, nominal sogar 1,7 Prozent. Auffällig dagegen bleibt der Internet- und Versandhandel – in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit offenbar weiterhin eine Art Gewinner. Im Monatsvergleich zulegen zu können (+0,4 Prozent real, +0,7 Prozent nominal) ist beachtlich genug, doch der Wachstumsvorsprung zum Vorjahr ist noch deutlicher: knappe 5 Prozent real, über 6 Prozent nominal. So zeigt sich einmal mehr, wie dynamisch der Online-Handel inzwischen tickt.
Im Juni 2026 schwächelt der deutsche Einzelhandel: Die Umsätze sanken nach saisonaler und preislicher Bereinigung real um 1,1 Prozent und nominal um 1,2 Prozent gegenüber Mai. Während Tankstellenumsätze durch den Nahost-Konflikt und einen temporären Tankrabatt zweigeteilt ausfielen, blieb der Lebensmitteleinzelhandel weiter unter Druck. Die Online-Umsätze hingegen florierten erneut, im Quartals- und Jahresvergleich – gestützt durch anhaltende Konsumverlagerung ins Netz und trotz insgesamt schleppender Konsumneigung in Deutschland. Aktuelle Presseberichte verdeutlichen zudem, dass zusätzlich zu der Inflationsdynamik und den geopolitischen Spannungen insbesondere verhaltene Verbrauchererwartungen die Einzelhandelsentwicklung dämpfen. Zugleich zeigen sich Unternehmen zunehmend verunsichert angesichts steigender Kreditzinsen, stagnierender Löhne und weiterer Unsicherheiten. Die wirtschaftliche Lage bleibt daher gespannt – viele Marktteilnehmer hoffen, dass der Herbst neue Impulse für den Konsum bringt.