Was offenbar dringend gebraucht wird, ist ein abgestimmtes Handeln von Regierung und Wirtschaft gemeinsam. Gerade der Automobilsektor, ohnehin schon von Absatzdellen gebeutelt, kann sich Investitionen kaum aus dem Ärmel schütteln. Stefan Wolf, Chef des deutschen Batterieverbands, weist darauf hin, dass chinesische Produzenten jahrzehntelang staatlich gestützt wurden und nun – durch Überangebot in ihrer Heimat – aggressiv in den europäischen Markt vordringen. Die USA hingegen fahren längst einen Schutzkurs: Zollmauern und Verbote für chinesische Tech-Investitionen. "Europa wird dabei zum Auffangbecken", warnt Wolf. Ausnahmen? Wohl kaum, wenn man nicht gerade Tesla heißt. Dort ist es gelungen, mit Innovationskraft den eigenen Weg zu gehen – selbst in Deutschland, Stichwort Trockenbeschichtung.
Trotz Milliarden an Fördertöpfen sieht Wolf einen Mangel an wirklicher Steuerung: Es fehle an Maßnahmen, die den Markt tatsächlich verändern. Subventionen helfen wenig, wenn das Interesse für die heimische Technologie nicht geweckt wird – von der Nachfrage bis zur Entwicklung. Wolfs Vergleich: Eine Brücke lässt sich nur bauen, wenn man von beiden Seiten daran arbeitet. In den USA zielt die Förderung gezielt darauf ab, ausländische Unternehmen auszuschließen, während Europa sich im internen Klein-Klein verzettelt.
Die aktuelle deutsche Regierung kommt dabei nicht gut weg. Während einzelne Ministerien für Forschungsmittel sorgen, ist das Wirtschaftsministerium eher zurückhaltend. Dennoch: Nach teils schwierigen Erfahrungen mit Firmen wie Northvolt oder Varta gibt’s Hoffnung auf zweite Chancen – Frankreich, Schweden, Niederlande investieren kräftig nach. Für die Industrie von morgen bleibt die Batterietechnik eine Schlüsselrolle, gleichauf mit Mikroelektronik und KI. Erschreckend aktuell dazu: Eine Deloitte-Studie konstatiert, dass 98 Prozent der europäischen Zellfertigung asiatischer Hand sind – die Vormachtstellung von CATL ist einschüchternd.
Der Aufbau einer eigenständigen europäischen Batterieindustrie stockt weiter, besonders in Deutschland mangelt es an Tempo, politischen Impulsen und gezielten Marktanreizen. Chinesische Konzerne wachsen aufgrund massiver Staatshilfen rasant und drängen – angesichts von Überkapazitäten im Heimatmarkt – nach Europa, während die USA mit Abschottungsstrategien auf nationale Industrieentwicklung setzen. Branchenvertreter warnen, dass Fördermittel allein nicht reichen und betonen die Bedeutung einer intelligenten Kombination aus technologischer Entwicklung und starker Nachfrageseite, um die industriepolitische 'Brücke' in die Zukunft zu schlagen. Gleichzeitig zeigen neuere Recherchen und Analysen, dass fast sämtliche große europäische Batteriefabriken von asiatischen Konzernen kontrolliert werden. Interessanterweise hat die EU Ende Mai 2024 ihre Subventionsregeln geschärft, um direktere Hilfen für europäische Batterie-Projekte zu ermöglichen, doch ein flächendeckender Markthochlauf bleibt bislang aus – der Druck für politische Kurskorrekturen steigt.
Zusätzliches Update: Laut "FAZ" und "Handelsblatt" nimmt der Wettbewerb um die Batterieproduktion in Europa weiter Fahrt auf, unter anderem durch neue Fabrikpläne in Frankreich, Schweden und den Niederlanden. Die Bundesregierung plant zudem, die Bedingungen für Forschung und Entwicklung im Bereich moderner Energiespeicher weiter zu verbessern, denkt aber noch über gezielte Nachfrageschübe nach. Insgesamt spitzt sich das Wettrennen zwischen Europa, China und den USA immer weiter zu, mit entscheidender Bedeutung für die Zukunft der europäischen Industrie.