„Es ist schwer zu beschönigen: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wird auch in den kommenden Monaten nicht abreißen“, erklärt Ludwig Hantzsch, seines Zeichens Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, gegenüber der Bild-Zeitung. Laut ihm ist der Gipfel der Insolvenzen frühestens Ende 2026 zu erwarten – wahrscheinlich wird sich eine echte Besserung aber erst mit dem Jahr 2027 einstellen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie beunruhigend: Neben den bekannten Auslösern wie schwacher Konjunktur und wirtschaftlicher Unsicherheit lasten auch die geopolitische Lage, steigende US-Zölle und ein zurückhaltender chinesischer Markt schwer auf Deutschlands Firmenlandschaft.
So gesehen, spricht Hantzsch von einer „Krisenzange“, die auf die Betriebe drückt. Während das internationale Umfeld schwächer wird, sorgen auf heimischem Boden hohe Energiekosten, Steuern und zahlreiche Regulierungen für zusätzlichen Druck. Besonders alarmierend: Nach Angaben von Creditreform schaffen es 7,5 Prozent der Unternehmen nicht mehr, mit dem operativen Ergebnis ihre Zinslast zu tragen, und weitere 19,5 Prozent schrammen finanziell am Limit entlang – insgesamt fast ein Drittel aller Firmen also im finanziellen Klammergriff.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach Creditreform-Zählung etwa 12.900 Firmeninsolvenzen verzeichnet, so viele wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Auch die geschätzten Schäden für die Gläubiger bleiben hoch: Allein zur Jahresmitte lag die Gesamtsumme bei etwa 28,5 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind mittlerweile nicht nur kleine, sondern vermehrt auch größere Betriebe mit hunderten Angestellten.
Die aktuelle Lage am deutschen Firmeninsolvenzmarkt ist angespannt und gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf eine baldige Erholung: Creditreform prognostiziert anhaltend steigende Insolvenzzahlen bis weit ins Jahr 2027, getrieben von einer anhaltend schwachen Konjunktur und zusätzlichem Druck von außen. Besonders schwer wiegen dabei die Belastungen durch geopolitische Spannungen, Handelshemmnisse wie US-Zölle sowie die sinkende industrielle Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, die durch hohe Energiepreise und überbordende Bürokratie weiter verschärft wird. Zeitgleich verschärft sich die Situation auf Unternehmensseite: Immer mehr Betriebe können ihre Zinsen nicht bedienen, oder stehen kurz vor finanziellen Engpässen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits knapp 13.000 Insolvenzen gezählt und auch die geschätzten Verluste für Gläubiger bleiben auf hohem Niveau – Tendenz steigend. Neuere Analysen deuten darauf hin, dass sich dieser negative Trend auch branchenübergreifend manifestiert und nun häufiger größere Unternehmen betrifft. Hinzu kommt eine steigende Unsicherheit durch Diskussionen über verschärfte Regulierung, breite geopolitische Herausforderungen, den Arbeitskräftemangel sowie einen weiterhin schleppenden Konsum. Verschärfte Rahmenbedingungen wie zum Beispiel eine geplante EU-Konsultation zu Insolvenzregelungen machen die Lage nicht einfacher (u.a. laut Berichten auf Zeit.de und FAZ.net). Damit gerät nicht nur der Mittelstand nachhaltig unter Druck, sondern die gesamte Wirtschaftsstruktur Deutschlands bleibt in den kommenden Jahren massiv gefordert.