Investition in junge Erwachsene: Staatliche Hilfen zeigen größten gesellschaftlichen Nutzen

Staatliche Unterstützung für junge Erwachsene rentiert sich um ein Vielfaches mehr als gleichwertige Zuwendungen an ältere Menschen – das belegt eine neue Analyse zu sozialpolitischen Effekten.

heute 09:09 Uhr | 2 mal gelesen

Ob ein Euro öffentlicher Förderung bei einem Zwanzigjährigen landet oder bei einem Fünfzigjährigen, macht einen erheblichen Unterschied. Laut einer aktuellen Econpol-Untersuchung, bei der französische Daten herangezogen wurden, bringen Investitionen in junge Erwachsene einen etwa dreimal höheren gesellschaftlichen Gewinn. Warum das? Laut Marion Brouard vom Ifo-Institut liegt es daran, dass Unterstützung jungen Menschen ermöglicht, ihre Ausbildung fortzusetzen und so langfristig höhere Gehälter und Steuerbeiträge zu erzielen. Gleichzeitig sind sie finanziell viel verletzlicher als Ältere: Fast ein Viertel aller jungen Erwachsenen in der Europäischen Union ist laut Eurostat armutsgefährdet, und der Trend nimmt zu; in Deutschland lag die Quote 2015 noch bei 24 Prozent, für das Jahr 2025 wird ein Anstieg auf 27 Prozent erwartet. Das Problem: Die meisten Sozialsysteme sind nach wie vor stärker auf Ältere ausgerichtet. Frankreich beispielsweise verweigert seine Mindestsicherung, das Revenu de solidarité active, den Unter-25-Jährigen – und das ist keineswegs ein Einzelfall. Was passiert eigentlich mit dem staatlich geschenkten Geld? Junge Erwachsene stecken fast die Hälfte jedes zusätzlichen Euros direkt in den Konsum – viel mehr als Ältere. Das ist vielleicht nicht überraschend: Wovon sollten junge Leute auch sparen, wenn am Monatsende kaum etwas hängen bleibt? Ein häufiger Einwand, dass Staatshilfen bloß private Zahlungen, etwa der Eltern, ersetzen, wird laut Econpol-Daten in der Realität überbewertet. Fast 88 Prozent der staatlichen Unterstützung sorgt tatsächlich für eine tatsächliche Verbesserung. Im Übrigen wünscht sich auch die Bevölkerung, zumindest in Frankreich, eine Umverteilung zu Gunsten der Jüngeren. Ein Denkanstoß an die Politik: Wenn der Anspruch besteht, dass Geld möglichst effizient arbeitet, führt an stärkerer Förderung für junge Erwachsene kaum ein Weg vorbei.

Die neue Econpol-Studie hebt hervor, dass finanzielle Hilfen für junge Erwachsene nicht nur individuell, sondern auch für die Gesellschaft besonders lohnend sind: Je früher Menschen unterstützt werden, desto nachhaltiger fließt diese Investition zurück – durch höhere Einkommen und Steuerzahlungen. Ein besorgniserregender Trend: Die Kluft in der Armutsgefährdung zwischen Jung und Alt vergrößert sich, auch weil bestehende Sozialsysteme die Jüngeren oft ausschließen (z.B. in Frankreich mit Altersgrenzen für Sozialhilfe). In nationalen und europäischen Debatten gewinnt daher die Forderung an Gewicht, das Sozialsystem gerechter zu gestalten und stärker auf die Lebenssituation junger Menschen zuzuschneiden. Weitere aktuelle Recherchen zeigen, dass die EU-Kommission jüngst Verbesserungen für junge Erwachsene im Sozialbereich fordert, etwa durch Zugangserleichterungen zu Grundsicherungssystemen und Programmen gegen Jugendarbeitslosigkeit. Besonders in Nordrhein-Westfalen wird eine neue Strategie diskutiert, bei der Jobcenter gezielt junge Menschen fördern, um den „Generation Prekär“-Trend zu stoppen. Studien belegen, dass gezielte Bildungsinvestitionen langfristig nicht nur Armut verringern, sondern auch die Innovationskraft ganzer Volkswirtschaften steigern.

Schlagwort aus diesem Artikel