Klimaschutz-Skepsis wächst: Deutsche zwischen Sorge, Wirtschaft und Politikverdrossenheit

Obwohl viele Menschen in Deutschland Klimaschutz für notwendig halten, bröckelt die breite Unterstützung merklich – vor allem angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und politischer Entfremdung.

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

Vor nicht allzu langer Zeit schien der Konsens für entschiedenen Klimaschutz nahezu unerschütterlich – aber das hat sich verschoben, wie das aktuelle Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation (Bertelsmann-Stiftung & Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ) verrät. Stolze 80 Prozent der Teilnehmenden äußern nach wie vor Klimasorgen, aber wenn es darum geht, selbst zu investieren, schwindet die Bereitschaft spürbar. Gerade bei der Energiewende: Vor fünf Jahren lag die Zustimmung noch bei 69 Prozent, jetzt sind es nur noch 60. Woran liegt das? Ganz klar: Die finanzielle Situation der Menschen ist das Zünglein an der Waage. Die Inflation, steigende Energiekosten und Angst um den eigenen Wohlstand drücken auf die Zustimmung. Über die Hälfte fürchtet wirtschaftliche Nachteile persönlich, fast 40 Prozent sehen gesamtwirtschaftliche Risiken durch Klimapolitik. Ebenso halten viele es für schlicht unrealistisch, ohne staatliche Hilfe auf klimafreundliche Technologien umzusteigen – Stichwort Wärmepumpe oder energetische Sanierung. Wer sich gegen die Modernisierung entscheidet, nennt meist das liebe Geld als Knackpunkt. Interessant und vielleicht ein wenig optimistisch ist jedoch, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum für viele keine Gegensätze sind: Über die Hälfte möchte beides, und immer mehr erkennen im grünen Umbau der Wirtschaft sogar Chancen. Auffällig problematisch bleibt allerdings die politische Kommunikation. Die Mehrheit findet die Energiewende-Politik schwer nachvollziehbar, einen Draht zur Bevölkerung gibt es selten. Nicht wirklich verwunderlich, dass das Vertrauen in die Bundesregierung auf Talfahrt ist – mehr als die Hälfte glaubt nicht, dass die Ampel-Regierung das alles ernsthaft und gemeinwohlorientiert managt.

Die Unterstützung für entschiedenen Klimaschutz in Deutschland sinkt langsam, zeigt das Nachhaltigkeitsbarometer 2024: Zwar sorgt sich die große Mehrheit ums Klima, aber die wirtschaftlichen Befürchtungen wachsen – aus Angst vor Wohlstandseinbußen und wegen hoher Kosten klimafreundlicher Technologien. Die Politiker überzeugen in ihrer Kommunikation kaum jemanden, viele halten die Maßnahmen für schwer verständlich und nicht bürgernah, während das Misstrauen in die Regierung steigt. Aus aktuellen Medienberichten ergibt sich: Auch in anderen Umfragen bestätigen sich diese Trends; z. B. sieht der Deutsche Wetterdienst einen besorgniserregenden Temperaturanstieg in Deutschland, und die Klimadebatte ist geprägt von wachsender Unsicherheit über die Balance zwischen ökologischem Wandel und sozialer Gerechtigkeit. Laut 'Tagesschau' und 'Spiegel' finden aktuell besonders junge Menschen die Klimapolitik der Bundesregierung unzureichend – Frust zeigt sich vor allem bei den Protestbewegungen, die von massiver Polizeipräsenz begleitet werden. Überraschend ist: Laut einer Analyse der 'Zeit' wünschen sich viele zwar mehr Klimaschutz, sind aber von neuen Technologien wie Wärmepumpen, Solaranlagen und E-Autos oft überfordert und sehnen sich nach verständlicheren politischen Lösungen.

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