Im Juli startete die Bundesagentur für Arbeit den Aufbau eines spezialisierten Kompetenzzentrums für Leistungsmissbrauch samt fünf Außenstellen, die Daten bündeln und auswerten sollen. Das hält Hagens Oberbürgermeister Dennis Rehbein (CDU) zwar für einen überfälligen Schritt, aber keineswegs für den Befreiungsschlag. Auch seine Kollegin aus Gelsenkirchen, Andrea Henze (SPD), sieht darin keinen Selbstläufer. Statt weiterer Zuständigkeitsdefinitionen brauche es entschlossene Maßnahmen vor Ort und eine stimmige Gesamtstrategie aller Ebenen. Rehbein ärgert sich, dass der lange angekündigte Aktionsplan aus dem Bundesministerium immer noch auf sich warten lässt – obwohl dessen Ziel die Bekämpfung von Ausbeutung und Missbrauch speziell unter EU-Einwanderern ist. Das Thema sei 'zentral' für die laufende Legislatur, betont eine Sprecherin des Arbeitsministeriums, denn Sozialmissbrauch untergrabe Vertrauen und Gerechtigkeit. Koalitionsvertraglich ist die Linie klar: Behörden sollen Daten besser austauschen können und betrügerische Anreize für Zuwanderung reduziert werden. Ein konkretes Datum für den Aktionsplan bleibt aber aus. Rehbein pocht auf sofortige rechtliche Nachschärfungen und greifbare Instrumente, denn Zeit zum Handeln sieht er nicht mehr.
Insbesondere Kommunen im Ruhrgebiet leiden unter sozialen Verwerfungen infolge von Armutsmigration aus Südosteuropa. Viele Bürger empfinden zunehmende Ungerechtigkeit, wenn Menschen durch reine Wohnortwahl in hiesige Sozialsysteme geraten, ohne je eingezahlt zu haben, schildert Henze. Zugleich geraten Zuwanderer nicht selten in ausbeuterische Abhängigkeiten und leben teils unter erbärmlichen Bedingungen – ein Zustand, den der Staat keinesfalls akzeptieren dürfe. Bereits Anfang des Jahres konstatierte Gelsenkirchen eine wachsende soziale Spaltung und Bedrohung des innerstädtischen Friedens. Ein ganz praktisches Hindernis im täglichen Kampf gegen Missbrauch ist der Datenschutz: Städte wie Essen und Duisburg sehen gesetzlichen Anpassungsbedarf, denn aktuell erschweren zu strenge Regeln effektive Kontrollen. Die Persönlichkeitsrechte sollen bestehen bleiben, so Henze, aber Datenschutz dürfe kein Vorwand für mangelnde Transparenz bei Kontrollen und Betrugsaufklärung werden.
Im Kern ringen deutsche Städte mit den Auswirkungen überlasteter Sozialsysteme und drängen auf klarere Gesetze und bessere Kontrollmechanismen, um Leistungsmissbrauch einzudämmen. Sie sind angesichts sozialer Spannungen und eines zunehmenden Gefühls von Ungerechtigkeit bei Bürgern alarmiert – nicht zuletzt, weil staatliche Strukturen teils überfordert sind, mit gezielten Ausbeutungsnetzwerken und der Vielfalt an Daten rechtskonform umzugehen. Kritikpunkte sind die bislang unklare Strategie des Bundes, der schleppende Aktionsplan sowie Datenschutzbestimmungen, die wirkungsvolle Ermittlungen oft behindern.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass vor allem in Städten mit hoher Armutsmigration Debatten um kommunale Überlastung, Integrationsprobleme und die Erosion des sozialen Zusammenhalts intensiv geführt werden. Das Bundesarbeitsministerium betont die Bedeutung von gezielter Prävention und besseren Kooperationen zwischen Behörden, um Betrug frühzeitig zu erkennen. Einige Kommunen experimentieren bereits mit neuen IT-gestützten Analyseverfahren, stehen aber weiterhin vor dem Dilemma zwischen effektiver Kontrolle und Schutz von Persönlichkeitsrechten.