Korenke stellt sich AfD-Gespräch – mit deutlicher Ansage

Tobias Korenke, Nachfahre der berühmten Widerstandskämpfer Dietrich und Klaus Bonhoeffer, kündigt nach einem Eklat bei einer Gedenkfeier in Berlin an, sich dem eingeladenen Dialog mit der AfD-Bundestagsfraktion zu stellen. Dabei hat er keine Scheu vor offener Auseinandersetzung – im Gegenteil.

heute 01:02 Uhr | 1 mal gelesen

„Reden ist selten die schlechteste Option, auch wenn die Gesprächspartner diametral entgegengesetzte Meinungen vertreten“, äußerte Korenke im Interview. Die Einladung der AfD-Bundestagsfraktion kam, nachdem Korenke bei einer Gedenkveranstaltung am 20. Juli in Berlin für Aufsehen sorgte: Er hatte spontan versucht, den Trauerkranz der AfD bei einer Zeremonie für die Opfer des NS-Regimes zu entfernen – eine symbolische Geste, die bundesweit viel diskutiert wurde. Korenke macht keinen Hehl daraus, welche Punkte ihm bei dem Austausch wichtig sind: Die Geschichtspolitik der AfD im Umgang mit NS-Verbrechen, ihr Gebrauch von Begriffen wie „Schuldkult“ und ihre Instrumentalisierung historischen Widerstands. „Ein Begriff wie ‘Schuldkult’ ist für mich eindeutig dem rechten Lager zuzuordnen und dient schlichtweg zur Relativierung der NS-Verbrechen. Das ist kein Smalltalk-Thema.“ Ob Korenke allein oder mit Begleitung aus der Stiftung 20. Juli 1944 erscheinen wird, hält er sich offen – erst warte er auf Details von der AfD. Über seinen Vorfall bei der Gedenkveranstaltung sagt er: „Mich hat buchstäblich eine Übelkeit überfallen, als ich den AfD-Kranz sah. Ich konnte nicht untätig danebenstehen, das wäre wie stilles Einverständnis.“ Seine frühere Skepsis gegenüber einem AfD-Verbot hat Korenke jüngst abgelegt – ausgelöst durch jüngste Vorfälle auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau. Dort äußerte der Kabarettist Steimle eine eindeutig gewaltverherrlichende Fantasie Richtung Kanzler Merz; AfD-Prominenz grinste dazu und sang später die DDR-Hymne. Für Korenke ein Wendepunkt: „Ich war eigentlich immer gegen Parteiverbote… Aber in diesem Fall glaube ich nicht mehr, dass Demokratie mit diesen Mitteln verteidigt werden kann. Die AfD missbraucht demokratische Freiheiten letztlich zum Abbau eben dieser.“

Tobias Korenke, Nachfahre der Bonhoeffer-Familie, will sich auf Einladung der AfD-Bundestagsfraktion einer Debatte stellen – ausgelöst durch seinen Protest gegen die Instrumentalisierung des Widerstands im Nationalsozialismus auf einer Gedenkfeier. Nach einem Zwischenfall auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau hat er seine frühere Ablehnung eines Parteiverbots aufgegeben und fordert nun Konsequenzen gegen die Partei. In aktuellen Berichten wird zusätzlich betont, wie der politische Umgang mit historischem Gedenken zunehmend konfliktreich wird, da rechtspopulistische Akteure Symbole und Erinnerungen strategisch nutzen und gesellschaftliche Debatten verschärfen; von politischer und gesellschaftlicher Seite wächst das Ringen um die Deutungshoheit des Umgangs mit deutscher Geschichte.

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