Es ist fast schon ironisch: Während Deutschland um jede wirtschaftliche Dynamik ringt, schnellen die Anfragen nach einer eigenen Unternehmensgründung nach oben – vor allem, weil viele das Gefühl haben, beruflich auf der Kippe zu stehen. Laut dem aktuellen, noch unveröffentlichten Report der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), über den die 'Rheinische Post' berichtet hat, sind im Jahr 2025 über 20.000 mehr Menschen als im Vorjahr den Schritt gewagt; insgesamt etwa 171.000 Gründungen zählt die Statistik. Historisch betrachtet bewegen wir uns damit zwar weit unter den Werten von 2010 bis 2020, aber immerhin: Die Gründungslust scheint leicht zurückzukehren – oder ist es eher die Verzweiflung vor unsicherer Erwerbsbiografie?
Die DIHK wertete dazu tausende Gespräche und Kontakte aus den bundesweiten Industrie- und Handelskammern aus, inklusive der Einschätzungen von rund 350 Gründungsexperten. Die Ergebnisse? Die eigentlichen Motive haben sich verschoben. Es herrscht nicht Euphorie, sondern es dominiert die Absicherung: Gerade die Transformation vieler Branchen, Digitalisierung, Automatisierung und allgemeine wirtschaftliche Tristesse drücken viele (potenzielle) Gründer in die Selbstständigkeit – als Plan B, nicht unbedingt als Traum.
Auffällig ist außerdem: Viele Geschäftsideen bleiben in Sachen Finanzierung und Wirtschaftlichkeit recht dünn, so die Beratenden – und bei nahezu drei Viertel kommt der Wunsch nach weniger Behördenkram und steuerlichem Wildwuchs auf. Bürokratie, Steuerrecht: Das sind die Dauerbrenner, die, ehrlich gesagt, auch anderswo kaum für leuchtende Gründeraugen sorgen würden. Peter Adrian, der DIHK-Präsident, sagt dazu nicht ohne Seitenhieb, dass es bisher keinen breiten unternehmerischen Aufbruch gäbe – es sei, Zitat, oft eher Flucht als Chance. Kein Wunder, irgendwie.
Die neue DIHK-Auswertung macht deutlich: Die Zahl der Unternehmensgründungen legte 2025 um mehr als 20.000 zu, ist aber weit von Glanzzeiten entfernt. Haupttriebfeder ist weniger der vielzitierte Unternehmergeist, sondern vielmehr die Angst vor Arbeitsplatzverlust und ein schwächelnder Arbeitsmarkt. Experten sehen weiterhin Defizite bei Finanzierung und betriebswirtschaftlicher Planung, zudem zermürbt Gründungswillige vor allem der bürokratische Aufwand und das komplexe Steuerrecht – 73% wünschen sich einfachere Regeln. Zusätzlich zeigen aktuelle Medienberichte, dass die allgemeine Konjunktur 2026 auf niedrigem Niveau verharrt; viele grübeln, ob der Schritt in die Selbstständigkeit wirklich selbstgewählt ist oder nur Notwehr im Wandel (Quelle: FAZ, Spiegel, Zeit). Laut `Handelsblatt` erhalten Gründer immer weniger Risikokapital, was das Wachstum bremst. Ein Silberstreif: Gerade nachhaltige und digitale Geschäftsmodelle erhalten etwas Rückenwind, wie die `Süddeutsche Zeitung` berichtet – die eigentliche Aufbruchsstimmung fehlt jedoch weiterhin.