Niedrigwasser am Rhein: Gefahr steigender Spritpreise und wirtschaftlicher Engpässe

Die Pegelstände am Rhein sinken – und mit ihnen wachsen Sorgen um kräftige Preisaufschläge an der Tankstelle.

heute 18:44 Uhr | 1 mal gelesen

Was passiert eigentlich, wenn ein Fluss wie der Rhein plötzlich zum Nadelöhr für die Logistik wird? Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln spricht von einer handfesten Bedrohung für den Geldbeutel: Kaum sind die Wasserstände am Rhein kritisch niedrig, geraten Frachtschiffe in Bedrängnis. Dadurch komme es, so Schaefer im Gespräch mit dem 'Spiegel', zu Versorgungsengpässen bei Benzin und Diesel – das heizt die Preise an. Ein Déjà-vu: Bereits 2018 konnten auf den Literpreis schnell mal acht Cent aufgeschlagen werden, sobald Tankstellen um alternative Lieferwege ringen mussten. "Die Spritpreise dürften klettern, sobald das Niedrigwasser anhält. Das war damals so, das kann wieder passieren", erklärt Schaefer. Außerdem: Nicht nur Kraftstoffe, auch Rohstoffe für die Industrie hängen an diesem Fluss, der wie eine Schlagader durch Deutschland verläuft. Bleiben die Pegel niedrig, ist folglich der gesamte Wirtschaftsapparat in Mitleidenschaft gezogen – für das ohnehin fragile Wachstum keine angenehme Vorstellung. Bereits mit kleinen Störungen kann viel ins Rutschen geraten. Und, ehrlich gesagt, eine perfekte Lösung gibt’s auf die Schnelle wohl nicht – kurzfristige Alternativen wie Straßentransporte machen alles nur teurer. Am Ende bleibt eine ziemlich unbequeme Gewissheit: Wenn das Wasser fehlt, bleibt die Rechnung nicht nur sprichwörtlich hoch.

Experten warnen aktuell, dass anhaltendes Niedrigwasser im Rhein nicht nur ein Problem für die Binnenschifffahrt ist, sondern direkte Auswirkungen auf Energiepreise, Lieferketten und die breitere Wirtschaftslage in Deutschland hat. Die Preise für Benzin und Diesel steigen, sobald Tanklager nicht mehr ausreichend befüllt werden können, weil der Transport per Schiff ins Stocken gerät; Alternativen wie Lkw-Transporte oder Bahn sind kurzfristig meist teurer und nur begrenzt verfügbar. Inzwischen beobachten Logistikunternehmen, Mineralölhändler und auch die Industrie die Entwicklung mit Sorge, da sich die strukturelle Abhängigkeit vom Rhein in wirtschaftlich ohnehin unsicheren Zeiten schmerzhaft bemerkbar macht. Im Juni 2024 berichten zahlreiche Medien, dass es an mehreren Abschnitten des Rheins bereits zu deutlichen Einschränkungen beim Schiffsverkehr kommt, vor allem zwischen Süddeutschland und NRW. Fachleute weisen darauf hin, dass fehlende Regenfälle und ungewöhnlich hohe Temperaturen den Zustand weiter verschärfen – und ein nachhaltiges Konzept zur Sicherung alternativer Transportwege bislang fehlt.

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