Peter Bofinger sieht Österreichs Schwerarbeitspension kritisch

Der Wirtschaftsexperte Peter Bofinger äußert sich skeptisch zum Vorstoß, das österreichische Rentenmodell für Schwerarbeit auf Deutschland zu übertragen. Der SPD-Politiker Dirk Wiese hatte das Modell kürzlich als Option ins Gespräch gebracht.

09.08.26 01:02 Uhr | 31 mal gelesen

Bofinger macht klar: Die Übertragung des österreichischen Schwerarbeitsrentenmodells nach Deutschland hält er für wenig zielführend. Schon der Versuch, einen rechtlichen Rahmen zu finden, der exakt definiert, wer als Schwerarbeiter zählt, könnte schier endlose Debatten und Klagen nach sich ziehen. „Diese Trennung ist in der Praxis kaum machbar“, meint er. Allein der Gedanke, die physische Belastung an Kalorienverbrauch zu bemessen – wie in Österreich üblich –, greife kurz. Wer jahrzehntelang richtig malocht hat, etwa auf Baustellen oder in Pflegeheimen, habe oft gar nicht die Chance auf 45 Versicherungsjahre. Die Realität sei eher: Wer so lange im Arbeitsleben steht, hat meist keine „klassisch harte“ Tätigkeit ausgeübt. Bofinger empfiehlt statt pauschaler Lösungen spezifische Härtefallregelungen: Wer nachweislich aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, solle früher in Rente gehen dürfen – ganz ohne Zwang zur Umschulung. "Man muss nicht jedes ausländische Modell kopieren, sondern klug abwägen, was hier Sinn ergibt."

Der Vorschlag, das österreichische System der Schwerarbeitspension in Deutschland einzuführen, stößt bei Peter Bofinger auf Widerspruch. Er sieht das Modell als nicht praktikabel an, da es zahlreiche juristische und praktische Schwierigkeiten gebe, etwa bei der Definition von 'Schwerarbeit' oder bei der Erfassung psychischer Belastungen. Aktuelle Berichte in Medien wie Spiegel und Süddeutscher Zeitung greifen unterdessen die wachsende Debatte um rentenpolitische Reformen, insbesondere für besonders belastete Berufsgruppen, auf. Zuletzt wurde in Fachkreisen diskutiert, ob eine Einzelfallprüfung und individuelle Lösungen für Betroffene praktikabler wären – auch unter dem Eindruck einer alternden Gesellschaft und angespannter Rentenkassen. Die österreichische Praxis mit Kalorienberechnung sei laut Expertenmeinungen zu einseitig und spalte Berufsgruppen, während alternative Ansätze in Deutschland vor allem auf flexible, maßgeschneiderte Übergänge und gezielte Unterstützung setzen. Rentenexperten warnen aktuell zudem davor, Reformen „von der Stange“ einzuführen, ohne die Eigenheiten des deutschen Arbeits- und Sozialsystems zu bedenken.

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