„Positive DDR-Nostalgie? Weimer warnt vor geschönter Erinnerung durch AfD und Linke“

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus schlägt Kulturstaatsminister Weimer Alarm: Wenn politische Kräfte, egal ob rechts oder links, die DDR verklären, gerät die echte Aufarbeitung der Diktatur in Gefahr.

heute 09:03 Uhr | 2 mal gelesen

Jedes Jahr, wenn das Mauerbau-Jubiläum näher rückt, spürt man: Die alten Schatten der DDR sind noch lange nicht verschwunden. Wolfram Weimer, aktuell als parteiloser Kulturstaatsminister für die Gedenkstätten zuständig, äußerte sich jüngst ziemlich beunruhigt über die Entwicklungen bei AfD und Linkspartei. Beide, so Weimer, „malen in Ostdeutschland schön gefärbte Bilder einer DDR, die so nie existierte“. Besonders krass sei das Verhalten der AfD, so schilderte er der FAZ. Ein Kabarettist sang bei einer AfD-Veranstaltung im Juli die alte DDR-Hymne („Auferstanden aus Ruinen“) – einige AfD-Abgeordnete stimmten sogar mit ein. Das sei für Weimer Ausdruck eines „kollektiven Vergessens und Verdrängens“, wie es vielleicht typischer für psychologische Abwehrmechanismen ist als für ernsthafte politischen Diskurs. Angesichts der Landtagswahlen im Herbst, etwa in Sachsen-Anhalt und Berlin, klingt bei Weimers Aussagen ein mulmiges Gefühl durch: Falls das politische Pendel in die Extreme (AfD oder Linke) ausschlägt, könnte sich auch die Pflege der Erinnerung ändern – vermutlich nicht zum Besseren. Er schlägt darum vor, beim Benennen neuer Straßen öfter an Widerständler gegen das DDR-Regime zu denken. Warum sollten, beispielsweise, mutige Männer und Frauen, die tatsächlich unter der SED-Diktatur litten oder dafür einstanden, nicht stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken? Ähnlich klar äußerte sich Evelyn Zupke, die die Opfer der SED-Diktatur vertritt. Sie stellt fest: Für viele Menschen, die verfolgt oder eingesperrt wurden, ist das ganze Thema immer noch schmerzhaft aktuell. Die DDR als „gemütlich und gemeinschaftlich“ zu verklären, wie es in manchen Erzählungen geschieht, hält sie für gefährlich. Gerade auch die subtilen Formen – wie nostalgische Simson-Fahrten von Politikern – könnten schnell dazu führen, die Überwachungsrealität und Unfreiheit in Vergessenheit geraten zu lassen.

Weimer warnt eindringlich davor, dass AfD und Linke dabei sind, das Bild der DDR in der Öffentlichkeit zu schönen oder gar zu romantisieren – sei es durch Lieder, Erzählungen oder politische Rhetorik. Besonders kritisch sieht er die Gefahr im Superwahljahr in Ostdeutschland: Wo sich politische Mehrheiten verschieben, verändert sich auch die Erinnerungsarbeit – manchmal auf Kosten der Opfer. Neuere Recherchen zeigen, dass insbesondere in social media und bei Events nostalgische Ostalgie zunimmt, während gleichzeitig unabhängige Gedenkeinrichtungen zunehmend um Förderungen und Sichtbarkeit kämpfen. Verschärfend kommt hinzu, dass die AfD in Sachsen-Anhalt laut neuesten Umfragen auf erhebliche Stimmenzuwächse hoffen kann, was auch die politische Debatte um Erinnerungskultur und die Sicht auf die DDR deutlich beeinflusst (siehe taz, Zeit, Spiegel und FAZ der letzten Tage). Zeitgleich betonen Überlebende der SED-Verfolgung in mehreren Interviews, dass die tatsächlichen Leiden und systematische Unterdrückung der DDR viel zu selten in die öffentliche Debatte eingehen. Vielmehr scheint es, als stünde eine neue Phase der kollektiven Verdrängung bevor, angeheizt durch die polarisierte Stimmung vor den Wahlen.

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