Auf die Frage nach einer möglichen Bundespräsidentin zeigte sich Markus Söder ungewöhnlich offensiv: Er halte Ilse Aigner schlichtweg für 'eine gute Bundespräsidentin', und man spürte beinahe, wie sein Daumen im Gespräch verdeckt nach oben geht. In Zeiten, in denen (offensichtlich) endlich die Forderung nach einer Frau im höchsten Staatsamt ernst gemeint wird, sieht Söder 'eine sehr gute Chance'. Dass auch aus der SPD Zuspruch für Aigner kam, bedeute ihm viel, wie er beiläufig erwähnte.
So ganz konnte er das Polit-Geschäft aber nicht loslassen: Die Warnung vor einer Demontage des Rentenpakets verknüpfte er mit Kritik an den jüngsten Mahnrufen ostdeutscher CDU-Ministerpräsidenten. Wer jetzt am Renten-Komplex herumlaboriere, riskiere, die dort mühsam gezimmerte Generationenbalance über Bord zu werfen. Gleichzeitig, ein wenig wie ein bayerischer Autoliebhaber am Stammtisch, verteidigte Söder die beiden großen Autohersteller des Landes und forderte, die Förderung großer Fahrzeuge nicht weiter zu benachteiligen – fast schon, als stünde sein eigener Familien-Van auf dem Spiel.
In puncto E-Auto-Prämien plädierte Söder für mehr Fairness und proklamierte, deutsche Hersteller müssten auch weiterhin in China mitspielen können. Er wünschte sich gar ein „Go für den Hightech-Verbrenner“ – in Brüssel müsse ein Umdenken stattfinden, so sein Appell, sonst komme Deutschland ins Hintertreffen.
Beim Thema Tankrabatt zeigte sich Söder abwartend. Die neue '12-Uhr-Regel' halte er für wenig hilfreich – „fühlt sich nicht nach Entlastung an“. Sogar die CO2-Bepreisung stellte er zur Debatte, falls die Spritpreise dauerhaft hoch blieben. Bis dahin: Erst mal Tee trinken und die Entwicklung im Nahen Osten beobachten.
Die Stärke der AfD erklärte der Ministerpräsident mit deren Geschick, nationale Themen wie Migration zu instrumentalisieren. Allzu sehr will er sich von deren Rhetorik aber nicht beeindrucken oder gar beeinflussen lassen: „Die CSU bleibt Anker der Vernunft“. Und, fast nebenbei, forderte er effizientere Rückführungen von Menschen ohne Aufenthaltsrecht – ein Streitthema, das noch oft die Gemüter erhitzen wird.
Abschließend zeigte Söder wenig Verständnis für Spekulationen über einen Wechsel an der Union-Spitze. Für ihn bleibt Friedrich Merz unverrückbar Kanzlerkandidat – „alles andere bringt nur Unruhe und spielt den Falschen in die Hände“. Wieder einmal: Bayern bleibt Bayern – und Söder eben Söder.
Markus Söder hat öffentlich Ilse Aigner als aussichtsreiche und geeignete Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin ins Spiel gebracht und damit den Wunsch nach einer Frau an der Staatsspitze aufgegriffen. Gleichzeitig warnte er davor, das Rentenpaket weiter zu öffnen, nachdem verschiedene ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten eine Reform forderten, und sieht darin die Gefahr, die Generationengerechtigkeit aufs Spiel zu setzen. Söder positionierte sich außerdem zur Lage der deutschen Automobilindustrie, forderte angepasste E-Auto-Förderungen und kritisierte die aktuelle klimapolitische Maßnahmen wie Tankrabatt und CO2-Bepreisung, während er sich auch zu den Umfragewerten der AfD und politischen Spekulationen um CDU-Chef Merz äußerte.
Erweitert recherchiert: Ilse Aigner hat im Laufe der Jahre durch verschiedene Ministerämter (Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Wirtschaft in Bayern) überparteiliche Anerkennung erworben und steht für einen eher pragmatischen, gemäßigten Kurs innerhalb der CSU. Die aktuelle Diskussion um das Rentenpaket hat nicht nur Streit in der Union entfacht, sondern richtet den Fokus erneut auf die Frage, wie tragfähig die Sozialversicherung angesichts des demografischen Wandels ist. Zusätzlich sehen sich deutsche Autohersteller aktuell hohem Konkurrenzdruck durch günstigere und technologisch ambitionierte asiatische Anbieter (vor allem E-Autos) ausgesetzt, während auf politischer Ebene die Energie- und Wirtschaftspolitik durch internationale Krisen und volatile Märkte weiter auf der Kippe steht.