Wenn man Bärbel Bas am Sonntag im Sommerinterview des ZDF gesehen hat, konnte man fast den Eindruck bekommen, die sprichwörtliche ‚letzte Bastion‘ der Sozialdemokratie stehe und falle mit ihrer Stimme. Bas konterte die anhaltende Kritik aus den eigenen Reihen ziemlich direkt: "Was wäre denn die Alternative? Den Koalitionsvertrag platzen lassen?" Ohne die SPD, so Bas, drohe Deutschland ein Siegeszug neoliberaler Ideen – 'kein Lohnfortzahlungsschutz mehr, Kündigungsschutz auf dem Prüfstand, Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung – all das stand jüngst zur Diskussion!' Die SPD sei hier das einzige – ja, sie sagte tatsächlich – Stoppschild.
Gleichzeitig bleibt Bas Realistin: Die schlechten Umfragewerte und die Ergebnisse der jüngsten Wahlen sprechen eine klare Sprache. Selbstzufriedenheit – Fehlanzeige. Deshalb, so kündigt sie an, werde die SPD grundsätzlich überarbeitet. Ein neues Grundsatzprogramm sei bereits in Arbeit, das, so hofft sie wohl, wieder mehr Menschen für die Partei begeistern kann. Kurzum: Die SPD will nicht nur in der jetzigen Koalition Kurs halten, sondern die eigene Identität erneuern. Ob das gelingt? Wird sich zeigen.
Bas betont die historische Rolle der SPD als Korrektiv in der Ampelkoalition und kontert parteiinterne Kritiker mit dem Argument, dass ohne eine sozialdemokratische Handschrift die Gefahr eines radikaleren wirtschaftsliberalen Kurses drohe. Neben der Abgrenzung zu FDP und Grünen verweist sie auf die Notwendigkeit interner Reformen angesichts schlechter Umfragewerte und arbeitet am neuen Grundsatzprogramm. Zusätzlich zeigen aktuelle Nachrichten: Der Druck auf die SPD wächst stetig, sowohl aus der eigenen Basis als auch durch das parteiübergreifende Ringen um die Zukunft der Koalition – die Diskussion um den Sozialstaat, Arbeitsrechte und wirtschaftliche Verantwortung bleibt dabei ein zentrales Dauerthema.