Laut einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ sind in Sachsen-Anhalt 21 Mitglieder aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ausgetreten. Der Austritt ist kein stiller, sondern geht mit deutlicher Kritik einher: Die Partei bewege sich – so sagen die Ex-Mitglieder – sowohl im Tonfall als auch bei den Inhalten immer stärker in Richtung AfD. 'Wir halten an unseren Werten fest und können dem Kurs nicht länger folgen', heißt es sinngemäß im gemeinsamen Schreiben.
Einige Namen stechen heraus: Sylvia Winkelmann-Witkowsky, vormals stellvertretende Landesvorsitzende und bis zuletzt eine von zwei Chefs des Kreisverbands Halle-Saalekreis, aber auch Katja Wendland (Burgenlandkreis) und Harald Koch (Mansfeld-Südharz) zählen zur Gruppe der Ausgetretenen. In ihrer Begründung spart die Gruppe nicht mit Vorwürfen: Neben einer zunehmenden Orientierung an der AfD sprechen sie offen von Intransparenz, einer Misstrauenskultur bis hin zu Überwachung in der Führungsetage des BSW. Eine Atmosphäre, in der politische Überzeugungen keinen Platz mehr hätten.
Von Seiten des Landeschefs, John Lucas Dittrich, klingt dagegen Gelassenheit durch. Zwar seien ihm die Austrittserklärungen formal nicht bekannt, aber gewissermaßen sei es wohltuend, die Fronten geklärt zu haben. Er kritisiert die Ausgetretenen, sie würden mit ihrer Aktion die CDU im Amt halten wollen, während das BSW klar für einen politischen Wechsel und gegen die 'Brandmauerpolitik' der anderen Parteien stehe. Es bleibt also turbulent – und wohl auch noch länger unversöhnlich.
Die Austritte aus dem BSW Sachsen-Anhalt markieren eine spürbare Zerreißprobe innerhalb der jungen Partei, die ohnehin bundesweit unter besonderer Beobachtung steht. Während die Ausgetretenen eine gefährliche Nähe zu AfD-Positionen beklagen, betont die Landesführung, man wolle einen echten politischen Wechsel in Sachsen-Anhalt – damit wird die innerparteiliche Debatte um die Ausrichtung des BSW nicht nur öffentlich sichtbar, sondern könnte auch Einfluss auf den anstehenden Landtagswahlkampf haben. Darüber hinaus verweisen Hintergrundberichte darauf, dass der Ton in der Partei selbst auf anderen Ebenen zunehmend konfrontativ wird, laut taz und Süddeutscher Zeitung wachsen parteiintern Fraktionen, die sich nicht mehr durch den Führungsstil Wagenknechts repräsentiert fühlen, was Auswirkungen auf die gesamte politische Landschaft und die potenzielle Wählerbasis haben könnte.
Aktuelle Recherchen zeigen zudem, dass die Debatte um eine vermeintliche Annäherung an die AfD nicht nur für das BSW, sondern auch für andere kleinere Parteien mit ähnlichem Wählerpotenzial eine Herausforderung darstellt. Berichte der letzten zwei Tage belegen, dass die Stimmung an der Parteibasis angespannt ist, sowohl Befürchtungen vor einem Rechtsruck als auch der Wunsch nach klarer politischer Abgrenzung werden lauter.