Überraschung im Abgeordnetenhaus: Mitten im Sommerloch – und trotz lauter Skepsis aus den eigenen Reihen – winkte das US-Repräsentantenhaus ein weitgehendes Sanktionsgesetz gegen Russland durch. Was auf den ersten Blick wie die x-te Strafmaßnahme wirkt, enthält diesmal Zündstoff. Die Abstimmung ging mit 262 gegen 159 Stimmen über die Bühne – Zahlen, die mehr verraten, als sie sagen.
Erweiterte Vollmachten für den Präsidenten
Das neue Gesetz packt kräftig zu: Dem Präsidenten wird erlaubt, auf fünf der größten Käufer russischer Energieprodukte – Öl und Gas – Zölle von bis zu 100 Prozent aufzulegen. Gleichzeitig schafft es Ausnahmeregelungen für Staaten, die weniger als 15 Prozent ihres Gases aus Russland beziehen und nachweislich um alternative Lieferanten bemüht sind. Ein Haken? Die Entscheidungsfreiheit des Präsidenten war selten so groß.
Angriff auf die Schattenflotte
Besonders einschneidend: Ein ganzes Maßnahmenbündel zielt auf die sogenannte Schattenflotte ab, die bislang ein Schattendasein zwischen Flaggenstaaten, dubiosen Versicherungstricks und laxer Kontrolle fristete. Über solche Schlupflöcher wurde bislang ein Teil des russischen Öls am Weltmarkt vorbei verkauft – und das oft legaler, als kaum jemand glauben will.
Personensanktionen: Symbol oder Sprung?
Nicht nur abstrakte Unternehmen, sondern auch Namen wie „Putin“ tauchen im Gesetzestext auf. Weitere ranghohe Kreml-Funktionäre werden ins Visier genommen, finanziell und persönlich. Aber ob Sanktionen gegen Einzelpersonen im Endeffekt Symbolpolitik sind, darüber streiten sich seit Jahren nicht nur Experten.
Politisches Tauziehen im Kongress
Obwohl der Senat längst parteiübergreifend zustimmte – übrigens benannt nach dem einflussreichen Senator Lindsey Graham, der das Projekt durch zähe Verhandlungsrunden bugsiert hat – gab es noch ein letztes Gezerre. Vor allem unter Demokraten fühlte man Unbehagen: Die Erweiterung präsidialer Macht werde Trump zu sehr in Versuchung führen, wirtschaftliche Druckmittel nicht nur gegen Russland, sondern auch für eigene Zwecke einzusetzen. Vertrauen war hier offensichtlich Mangelware.
Zukünftige Auswirkungen: Energiewende durch Sanktionen?
Interessant ist, wie das Gesetz Drittstaaten unter Druck setzt: Wer weiterhin Russlands Energierohstoffe will, bekommt ein Zollschwert über dem Kopf – es sei denn, er verringert konsequent seine Abhängigkeit. Die USA koppeln so Sanktionspolitik mit geopolitischer Energiepolitik und treiben Länder zur Diversifizierung. Wie weit und wie tief das wirklich greift, hängt letztlich davon ab, wie scharf der künftige Präsident die neuen Werkzeuge nutzt; vieles bleibt diffus, einiges nach wie vor voller Fragezeichen. Ganz ehrlich: Eine Garantie gibt's nicht.