Ihre Kritik an Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) fällt hart aus. Für Wagenknecht hat dieser Politiker „jede Glaubwürdigkeit“ verloren. Noch härter urteilt sie über die Strategie der sogenannten Brandmauern gegen den rechten Rand: 'Solche Koalitionsgrenzen verengen die Demokratie und blockieren sinnvolle Lösungen.' Ihr Ansatz? Ein neutraler, parteiübergreifender Regierungschef, offen für wechselnde Mehrheiten. Namen mag sie nicht preisgeben – um niemanden zur Zielscheibe zu machen, wie sie erklärt –, aber sie betont, dass es 'respektable Persönlichkeiten' gäbe, die diesen Job übernehmen könnten.
Kritik kommt auch in Richtung der eigenen Leute: Wagenknecht sieht die Ursprünge der internen Differenzen beim Personal im Landtag von Erfurt. Sie deutet sogar an, dass es einigen Abgeordneten eher um gesicherte Ruhegehälter als um politische Überzeugung geht – ein Vorwurf, den sie recht deutlich formuliert: 'Damals war das BSW noch ganz neu, die Fraktion bestand aus Politiker:innen, die wir nicht gut kannten. Heute wird immer klarer, dass einige andere Vorstellungen haben als unser Kurs vorgibt. Und, so ehrlich muss man sein, der Eindruck entsteht, dass für manche das Erreichen der Pensionsansprüche im Dezember wichtiger ist als die Interessen der Wählerschaft.' Für sie ganz klar: So dürfe man mit den Stimmen der Bürgerinnen und Bürger nicht umgehen.
Im Kern der Diskussion steht Wagenknechts harte Abrechnung mit der aktuellen politischen Aufstellung des BSW in Thüringen. Sie kritisiert sowohl die politische Zweckbindung an einen CDU-Ministerpräsidenten als auch die Koalitionsstrategie, die ihrer Meinung nach die Demokratie lähmt. Ihre Forderung – ein überparteilicher, glaubwürdiger Regierungschef – soll eine neue politische Kultur ermöglichen. Neueste Entwicklungen zeigen, dass die Stimmung an der BSW-Basis weit weniger kompromissbereit ist als bei den Mandatsträgern. Die politische Situation in Thüringen spitzt sich zu, mit deutlicher Unzufriedenheit über festgefahrene Koalitionen, wachsende AfD-Zustimmung und dem Eindruck, dass Machtinteressen gelegentlich vor inhaltlicher Politik rangieren. Die FAZ berichtet aktuell, dass das BSW in Thüringen vor einer Zerreißprobe steht, da Fraktions- und Parteibasis grundlegend uneins über den Koalitionskurs sind, und Beobachter sehen das Risiko, dass die neue Partei an internen Konflikten frühzeitig zerbricht. Laut Deutschlandfunk wird in Thüringen erneut eine Minderheitsregierung diskutiert, weil die Chancen für stabile Mehrheiten schwinden und das politische Klima von wachsendem Misstrauen geprägt ist. Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass die Frage nach einem breiteren, parteiunabhängigen Regierungsmodell immer lauter diskutiert wird, während die klassischen Parteien im Ringen um Handlungsfähigkeit zunehmend an Glaubwürdigkeit verlieren.