Banges Zittern um Deutschlands Spitzenbewertung

Unter Politikern und Experten mehren sich die Stimmen, die eine mögliche Herabstufung der deutschen Kreditwürdigkeit befürchten.

heute 06:14 Uhr | 2 mal gelesen

Dass Deutschland seine Top-Bonität – das berühmte Triple-A – auf Dauer behalten wird, ist längst kein Selbstläufer mehr. Auf Regierungskreisen ist vorsichtige Nervosität zu spüren: "Sollten wir weiter hohe Schulden machen, ohne dass die Wirtschaft anspringt, könnten die Ratingagenturen irgendwann handeln", zitiert das "Handelsblatt" einen einflussreichen Insider. Ein anderer mahnt, der Druck könne sich in den nächsten Jahren weiter aufbauen. Zwar gaben S&P Global, Moody's und Fitch vor kurzem dem Land erneut gute Noten. Doch der Glanz von früher ist etwas verblasst, sagt auch Malgorzata Wegner von Fitch: Die steigende Verschuldung, zähe Wachstumsaussichten und politische Unwägbarkeiten nagen am Vertrauen. Auch unter Volkswirten zeichnet sich Skepsis ab. Moritz Krämer, der S&P-Expertise mitbringt, würde eine Abwertung nicht wundern, sofern sich keine Trendwende abzeichnet. Und Jörg Rocholl von der ESMT meint: Ohne Wirtschaftsaufschwung ist Deutschlands AAA nur eine Frage der Zeit in Gefahr. Für Thiess Büttner vom wissenschaftlichen Beirat des Stabilitätsrats ist sogar klar, dass ohne zügige Reform der Schuldenbremse und bei weiter steigender Verschuldungsquote eine Abwertung fast zwangsläufig wäre. Die Zahlen sind alarmierend: Nach internen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums würde bereits ein Zinsanstieg um nur einen Prozentpunkt mittelfristig Mehrkosten von über 17 Milliarden Euro verursachen. Angesichts der aktuellen Gemengelage eine eher beunruhigende Aussicht.

Innerhalb der Bundesregierung und bei Finanzfachleuten wächst das Unbehagen angesichts der Perspektive, dass Deutschland seine Spitzenbonität verlieren könnte. Derzeit bestätigen die größten Ratingagenturen zwar noch das Triple-A, jedoch ist das Vertrauen angeschlagen, vor allem wegen steigender Verschuldung und schwacher Wirtschaftsaussichten. Sollte sich an den strukturellen Problemen – besonders beim Wachstum und der Schuldenbremse – nichts ändern, könnten bald spürbare Konsequenzen folgen, etwa deutliche Mehrkosten für den Staat oder gar eine Abwertung. Die anhaltende politische Unsicherheit, die Diskussion um notwendige Reformen (wie zum Beispiel der Schuldenbremse) sowie die skeptische Berichterstattung darüber, wie international etwa die Energiewende und deutsche Investitionen gesehen werden, verschärfen den Druck zusätzlich. In aktuellen Medienberichten – unter anderem bei der FAZ, SZ und taz – werden die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, die wirtschaftliche Stagnation Deutschlands im europäischen Vergleich und die stockende Investitionsdynamik als zusätzliche Belastungsfaktoren genannt. Das Risiko, dass Deutschland als „sicherer Hafen“ an Strahlkraft verliert, betrifft letztlich nicht nur die Finanzmärkte, sondern könnte sich langfristig auch auf das Vertrauen der Bürger und das internationale Image der Bundesrepublik auswirken.

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