Berlin tanzt wieder: Zehntausende feiern bei 'Rave the Planet'

Trotz sengender Hitze ließen sich am Samstag zehntausende Techno-Fans nicht abhalten, durch Berlin zu ziehen: Zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule wurde bei über 30 Grad unter der Sonne getanzt, geraved und geschwitzt.

heute 18:02 Uhr | 1 mal gelesen

Wasserwerfer gegen den Durst und für spontane Erfrischung? Klingt merkwürdig, war aber die Realität auf der 'Rave the Planet'-Parade: Bei gnadenlosen 33 Grad wurden sie kurzerhand zur kollektiven Dusche umfunktioniert – Not macht eben erfinderisch. Die Parade startete mit einem Moment der Stille; eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf den Christopher Street Day, der erst drei Wochen zurücklag. Die Polizei war dieses Mal besonders präsent, Fahrzeugbarrieren sperrten diverse Zufahrten, während sich an den Rändern der Strecke Feiernde tummelten. Und wie so oft bei großen Berliner Events war das Party-Feeling kaum einzufangen – viele tanzten abseits der offiziellen Wege, irgendwo im Schatten oder einfach mitten auf der Straße. Dass 'Rave the Planet' von vielen als Loveparade-Nachfolger gesehen wird, ist kein Geheimnis. Interessant: Der ‘Zug der Liebe’, der üblicherweise ähnliche Vibes verbreitet, wurde nach den jüngsten Ereignissen abgesagt – zu unsicher, zu angespannt die Lage. Trotzdem – Berlin zeigte wieder einmal, dass Techno, Gemeinschaft und Improvisation hier mehr als nur Worte sind.

Am Samstag verwandelte sich die Straße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule in einen brodelnden Dancefloor unter freiem Himmel, bei Temperaturen, die eher an Sauna als an Großstadt erinnerten. Die hohe Polizeipräsenz und Sicherheitsmaßnahmen waren eine direkte Reaktion auf den Anschlag beim CSD, der die Community noch immer beschäftigt – auch die Schweigeminute zu Beginn der Parade spiegelte dies wider. Während Organisation und offizielle Sicherheitskonzepte ausgereifter erschienen, zeigte sich das Bedürfnis nach gemeinsamer Feier und Solidarität; und nicht zuletzt eine Widerstandsfähigkeit, die die Berliner Technoszene ohnehin schon immer ausgezeichnet hat. Zusätzlich ist bemerkenswert, dass trotz der Absage vergleichbarer Events wie dem 'Zug der Liebe' mehrere Politiker und Szenekenner im Vorfeld Mut gemacht hatten, die Parade als Zeichen gegen Angst und für Lebensfreude zu sehen. Recherche-Update: Die Debatte um Sicherheitskonzepte im öffentlichen Raum ist durch jüngste Ereignisse in Berlin neu entfacht. Zahlreiche Stimmen mahnen, dass Freiheit und Schutz kein Widerspruch sein müssen, wie sowohl Polizei als auch Veranstalter betonen. Außerdem wird aktuell diskutiert, wie Popkulturparaden die Stadtidentität Berlins stärken und vereinen können.

Schlagwort aus diesem Artikel