Eigentlich sollte das temporäre Schwimmbecken vor der Volksbühne am Freitag ein Rückzugsort für schwarze Kinder und Jugendliche sein. Zwischen 12 und 18 Uhr war das Becken exklusiv für sie gedacht, danach zwei Stunden für alle – aber nun bleibt die Wasserfläche still, niemand taucht ab, niemand planscht. Die Veranstalter begründen die Absage mit gezielten rechten Angriffen im Netz und drohender rassistischer Stimmungsmache, die ihnen Sorgen bereiteten. Man habe das Gefühl, dass der Schutz von Kindern und Mitarbeitenden an diesem Tag nicht voll gewährleistet werden könne, erzählt jemand aus dem Organisationsteam – fast klingt es resigniert. Matthias Lilienthal, der Intendant der Volksbühne, betont hingegen, das Engagement für benachteiligte Gruppen nicht aufzugeben: Er spricht von Solidarität – mit allen, die unter Diskriminierung leiden, und davon, auch künftig Projekte für Minderheiten ermöglichen zu wollen. Die „Volksbad“-Aktion läuft noch bis Oktober als Teil einer künstlerischen Idee, Berlin ein neues Erfrischungsangebot zu bieten. Doch die Debatte um dieses explizit auf People of Color ausgerichtete Angebot hat für viel Wirbel, Medienbeiträge und nicht zuletzt den Vorwurf gesorgt, man betreibe reine Publicity, statt tatsächlicher Inklusion. Vielleicht, so denkt man beim Lesen zwischen den Zeilen, bewegen sich solche Initiativen immer am schmalen Grat zwischen gut gemeint und kontrovers.
Die Volksbühne Berlin hat ein geplantes, nur für schwarze Kinder und Jugendliche vorgesehenes Badeevent wegen massiver rechter Hetze und Sicherheitsbedenken kurzfristig abgesagt. Laut diversen aktuellen Medienberichten hatte die Ankündigung im Vorfeld zu einer Welle an rassistischen Kommentaren im Netz geführt, was die Veranstalter und auch die Polizei dazu zwang, die Sicherheitslage neu zu bewerten. Dennoch kündigte Intendant Lilienthal weitere Projekte für benachteiligte Gruppen an und rief zu gesellschaftlicher Solidarität auf. Darüber hinaus ist die Debatte um die Abgrenzung von Angeboten und deren Stellenwert in einer diversen Gesellschaft so aktuell wie nie: Während Unterstützer die Sichtbarkeit und gezielte Förderung begrüßen, fordern Kritiker eher integrative, offene Formate und zweifeln, ob der PR-Effekt nicht überwiegt. Zu beachten ist, dass vergleichbare Veranstaltungen teils bereits im Vorfeld mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wurden, wie eine Recherche in aktuellen Medien zeigt.