Collien Fernandes drängt nach Protesten auf beständigen Einsatz gegen Online-Gewalt

Schauspielerin Collien Fernandes nimmt die jüngsten Demonstrationen zum Anlass, um deutlich zu machen: Digitale Gewalt muss dauerhaft auf die Tagesordnung. Frauen ermutigt sie ausdrücklich, ihre Erlebnisse nicht zu verschweigen und gemeinsam für Veränderung einzustehen.

heute 17:26 Uhr | 2 mal gelesen

Nach mehreren Demonstrationen in deutschen Städten zum Thema digitale Gewalt gegen Frauen hofft Collien Fernandes, die vielen vielleicht noch als Moderatorin und Schauspielerin im Ohr ist, auf einen echten, lang anhaltenden Sinneswandel in der Gesellschaft.

Unbequeme Wahrheiten und männliche Abwehrreaktionen

Viele Männer hätten sie mit ihren Reaktionen auf ihre Erfahrungen ziemlich überrascht, teilweise auch enttäuscht – als hätten sie reflexartig Angst, grundlos beschuldigt zu werden. Immer wieder, so schildert Fernandes, käme ein "Nicht alle Männer!", das das eigentliche Problem eher verwische als kläre. Ihre Beobachtung: Wer die Debatte eröffnet, gilt schnell als Feministin – und landet in der Schublade „Männerhasserin“, weil bestimmte Männer sich nicht angesprochen fühlen wollen.

Worum es wirklich geht: Gerechtigkeit, nicht Pauschalurteile

Fernandes legt Wert darauf: Es geht nicht um ein Generalverdacht oder Schuldzuweisungen – sondern um Chancengleichheit und die ehrliche Anerkennung eines gesellschaftlichen Problems. Die Proteste hätten klare Forderungen: Digitale Gewalt raus aus der Nische, rein ins Licht. Auch habe die Sichtbarkeit öffentlicher Demonstrationen das Potenzial, eingefahrene Denkweisen aufzubrechen.

"Redet drüber, auch wenn es schwerfällt"

Ihr Appell an betroffene Frauen: Nicht den Mund halten, sondern reden – egal, ob im privaten Freundeskreis, in Gruppen, anonym online oder bei offiziellen Beratungsstellen. Denn viele Geschichten ähneln sich, selbst wenn Betroffene das Gegenteil vermuten. So ein Gespräch kann das Gefühl von Ohnmacht durchbrechen und zeigen, dass Täter fast immer nach ähnlichen Mustern vorgehen – und die Schuld nicht bei den Betroffenen liegt.

Digitale Gewalt – und ihre oft unsichtbaren Facetten

Was eigentlich heißt digitale Gewalt? Belästigungen via Messenger, Verbreitung privater Fotos ohne Einwilligung, üble Nachrede auf Social Media oder sogar anonyme Drohungen rund um die Uhr. Die Digitalisierung sorgt dafür, dass Machtmissbrauch auch nach Beziehungsenden weitergeht und sich kaum noch mit einem Ortswechsel abschütteln lässt. Beratungsstellen warnen seit Jahren: Digitale Übergriffe sind längst trauriger Alltag – Tendenz steigend.

Blinde Flecken und der Kampf gegen das Wegschauen

Viele Frauen erhalten inzwischen mehr Öffentlichkeit, doch die Debatte bleibt nervös. Der Satz „nicht alle Männer“ verkennt, dass es um Strukturen geht: um sich wiederholende Muster, nicht um Einzelfälle. In sozialen Netzwerken schaukeln sich die Gefühle hoch, was das Zuhören nicht gerade leichter macht – für alle Seiten.

Hilfe holen, Scham abstreifen

Auch die Justiz zieht langsam nach, indem etwa soziale Plattformen strenger in die Pflicht genommen werden. Doch im Alltag ist oft entscheidend: Reden hilft. Unterstützung zu suchen bei Gruppen, Online-Beratungen oder spezialisierten Stellen kann nicht nur schützen, sondern auch empowern. Denn: Digitale Gewalt ist keine persönliche Schwäche, sondern ein Problem, das in unser aller Gesellschaft feststeckt.

Collien Fernandes’ Forderung nach entschlossenem Einsatz gegen digitale Gewalt spiegelt eine Stimmung wider, die nach den jüngsten Protesten in vielen deutschen Städten zu spüren ist. Beratungsstellen und Polizei verzeichnen seit Jahren einen besorgniserregenden Anstieg solcher Übergriffe – gerade auch unter Jugendlichen und im häuslichen Kontext. Studien zeigen, dass soziale Medien Cybermobbing, sexuelle Belästigung und sogenannte Non-Consensual-Pornografie massiv begünstigen.

Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Druck

Interessant ist, dass der öffentliche Druck zu ersten politischen Reaktionen geführt hat: In Berlin diskutiert man über weitergehende rechtliche Schritte für Plattformbetreiber und arbeitet an neuen Hilfsangeboten für Betroffene. Die Bundesjustizministerin betont aktuell, dass die Strafverfolgung digitaler Gewalt gestärkt werden soll.

Weitere Perspektiven aus der Berichterstattung

Auf tagesschau.de wurde am 5. Juni die Diskussion um effektive Exit-Optionen für Opfer digitaler Gewalt intensiv beleuchtet. Auf zeit.de erschien ein ausführlicher Hintergrundartikel zur wachsenden Nachfrage nach Online-Beratungen, besonders nach traumatischen Erfahrungen durch digitale Übergriffe. Schließlich liefert spiegel.de einen kritischen Kommentar zum gesellschaftlichen Klima, in dem sich Täter oft hinter der Anonymität des Netzes verstecken können und Betroffene weiterhin viel zu selten Gerechtigkeit erleben.

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