Es ist immer wieder das gleiche Spiel: Proteste flammen auf, alle sprechen kurz über Missstände – und dann ebbt die Aufmerksamkeit wieder ab.
Fernandes warnt vor dem "Tag danach"-Effekt
Zuletzt standen Demonstrationen gegen digitale Gewalt im Fokus, bei denen Collien Fernandes, vielen noch als energiegeladene Fernsehmoderatorin und Gastgeberin vertraut, aufhorchte. Sie fordert, der gesellschaftliche Blick dürfe nicht wieder zur Tagesordnung übergehen.Fernandes machte in einem aktuellen Interview unmissverständlich klar, dass sie ein nachhaltiges Umdenken erhofft. Irritiert habe sie dabei, wie oft vor allem männliche Stimmen reflexhaft von ihrer Angst vor Falschbeschuldigungen reden, anstatt sich ehrlich mit den Berichten der Betroffenen auseinanderzusetzen.
Ohnmacht, Rückzug und der Sound von Zweifeln
Tatsächlich sei, so Fernandes, die Unsicherheit vieler Männer spürbar – etwas, das ihrer Ansicht nach jedoch den Fokus verschiebt. Statt sich einzufühlen oder zuzuhören, werde betont, dass es 'nicht alle Männer' seien oder Frauen als 'Männerhasserinnen' diffamiert. Nochmal: Die Schauspielerin pocht darauf, dass es schlicht um Gerechtigkeit und das Ernstnehmen von Gewalterfahrungen geht.
Fernandes spricht aus eigenem Erleben, nicht als distanzierte Beobachterin. Gerade im Internet häufen sich für viele Frauen toxische Kommentare, Einschüchterung – und immer häufiger digitale Formen von Kontrolle oder Drohungen.
Den Mund aufmachen – trotz Gegenwind
Und das ist der Punkt: Fernandes fordert alle, die betroffen sind, auf, das Schweigen zu brechen. Es ist verdammt schwer, sagt sie, besonders wenn einem nicht sofort geglaubt wird. Dennoch: Berichte zu teilen, Erfahrungen auszutauschen, das kann der erste Schritt raus aus dem Gefühl der Alleinstellung und Ohnmacht sein. Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen bieten die Möglichkeit, Muster zu erkennen und gemeinsam an die Öffentlichkeit zu treten – auch um sich gegenseitig zu stärken.
Digitale Gewalt: Alltag für Hunderttausende
Bei digitaler Gewalt reden wir längst nicht mehr über Einzelfälle. Das Spektrum reicht von ständiger Kommunikation mitlesen, Social-Media-Shitstorms, Kontrolle per GPS bis hin zu Nötigung mit privaten Bildern – meistens eskaliert in Verbindung zu (Ex-)Partnern. Statistiken zeigen einen deutlichen Anstieg solcher Taten. Die Muster sind so ähnlich, dass Betroffene sich oft in den Geschichten anderer wiedererkennen.
Gesellschaft im Zwiespalt
Die Proteste und Interviews wie das von Fernandes stoßen eine unbequeme Debatte an: Wer trägt eigentlich Verantwortung? Und wessen Ängste bekommen Gehör? Wenn viele Männer eher Sorge vor Falschbeschuldigung äußern als Solidarität mit Opfern, spricht das Bände über ein gesellschaftliches Klima, in dem Misstrauen statt Mitgefühl regiert.
Was muss sich ändern?
Die Politik kommt kaum hinterher: Zwar werden Beratungsangebote und Sicherheits-Apps gestärkt, aber oft fehlt es an Sensibilisierung bei Polizei, Justiz und im Alltag. Fernandes hofft auf eine echte Kulturveränderung, jenseits bloßer Lippenbekenntnisse. Recht, Unterstützung und ein Klima, in dem sich Mädchen und Frauen wirklich sicher fühlen können – das bleibt die große Aufgabe.