Collien Fernandes fordert mehr als Lippenbekenntnisse zu digitaler Gewalt an Frauen

Die Schauspielerin und TV-Moderatorin Collien Fernandes meldet sich angesichts aktueller Demonstrationen gegen digitale Gewalt gegen Frauen zu Wort: Sie besteht darauf, dass der öffentliche Protest nicht als kurzfristige Geste verhallt. Ihr Appell richtet sich an betroffene Frauen – sie sollen ihre Stimmen erheben und sich untereinander austauschen.

heute 17:51 Uhr | 3 mal gelesen

Collien Fernandes, bekannt aus Film und Fernsehen, beobachtet aufmerksam die Proteste, die in mehreren Städten gegen digitale Gewalt an Frauen auf die Straße gegangen sind. Sie macht sich Gedanken: Bleibt es bei Schlagzeilen und einem Tag später ist alles wieder beim Alten?

Mehr als nur ein Hype?

In einem Interview für die Funke-Mediengruppe warnt Fernandes vor dem Kurzzeit-Gedächtnis der Gesellschaft. Sie stellt ganz nüchtern fest, dass zu oft ein großes Medienecho verpufft, sobald das nächste Thema kommt. Sie plädiert fast stoisch dafür, dass digitale Gewalt nicht nur punktuell – bei der nächsten Empörungswelle – diskutiert wird, sondern „durchgehalten“ werden muss.

Das klingt erstmal naheliegend, aber wenn man genauer denkt: Wie oft werden Missstände in Serie verdrängt? Für Fernandes sind die jüngsten Proteste nur dann sinnvoll, wenn sie etwas Bleibendes bewirken. Sie richtet einen kritischen Blick auf die gesellschaftliche Tendenz, alles schnell abzuhaken.

Männer, Angst und Reflexe

Interessant ist, wie Fernandes ganz offen über die Reaktionen vieler Männer berichtet – sie irritiert eine Art "defensiver Modus": statt einzusteigen in die Debatte, käme als erstes die Furcht, selbst Ziel von Falschbeschuldigungen zu werden. Diese Verteidigungshaltung, gepaart mit dem Spruch "es sind doch nicht alle Männer", lenkt ihrer Meinung nach vom Kern ab – nämlich den tatsächlichen Erfahrungen von Frauen.

Sie ärgert sich darüber, dass engagierte Frauen häufig in die Ecke der "Männerfeindlichkeit" gestellt werden. Ein Zurechtrücken ihrer Sicht: Es gehe eben nicht um halbgare Pauschalurteile, sondern um tatsächliche, konkrete Gerechtigkeit. Diese Nuance, so scheint es, geht im Getöse der Debatte verloren.

Raum für Betroffene schaffen

Fernandes richtet sich besonders an Frauen, die betroffen sind – sei es digital oder analog – und ruft dazu auf, sich nicht isolieren zu lassen. Sie empfiehlt die Selbsthilfe oder zumindest den Dialog mit Gleichgesinnten als Anfang. Offener Austausch sei zwar mit Mut verbunden, aber er öffnet Türen und schafft das Bewusstsein, dass Leid und psychische Erschütterungen oft kein Zufall, sondern wiederkehrende Muster sind.

Sie betont, dass gerade in diesem Reden, auch wenn Zweifel und Gegenwind drohen, eine Kraft liegen kann. Es seien erstaunlich oft dieselben Muster von Kontrolle, Manipulation und Einschüchterung, die Gewalt ausmachen – nur digital getarnt.

Digitale Kontrolle ist reale Gewalt

Schnell landet man dabei beim Begriff "strukturelle Gewalt". Fernandes unterstreicht, dass Online-Gewalt heute schlicht eine Fortsetzung altbekannter Missbrauchsmechanismen mit neuen Tools ist. Was früher im Verborgenen passierte, bekommt durch Chats, Messenger-Apps, Standortverfolgung und das gezielte Teilen intimer Fotos eine ganz neue Tragweite.

Dass insbesondere in Paar- und Ex-Beziehungen Überwachung und Drohgebärden zunehmen, bestätigen auch Behörden. Der digitale Raum wird zur Spielwiese für Macht und Unterdrückung. Das Muster bleibt dasselbe: Kontrolle, Entwürdigung und Angst über neue Kanäle.

Ringen um Anerkennung und Konsequenz

Ein Aspekt, der Fernandes besonders irritiert, ist der Streit um die Deutungshoheit: Statt Empathie für Überlebende digitaler Gewalt erleben Betroffene oft Misstrauen – und das öffentliche Gespräch dreht sich um Unwichtigkeiten wie den "schlechten Ruf" unschuldig beschuldigter Männer. Das Grundproblem, so ihre Ansicht, ist kollektiver Mangel an Bereitschaft zur Veränderung.

Der Gesellschaft rät Fernandes, sich selbst zu überprüfen: Fragen wir uns ehrlich, wie wir mit digitalen Risiken umgehen? Und wissen wir, welche Hilfsangebote es überhaupt gibt? Letztlich kann individuelle Sensibilisierung weitaus mehr bewirken als ein weiterer Hashtag, den morgen schon niemand mehr kennt.

Digitale Gewalt bleibt ein Dauerbrenner

Fernandes verschafft digitalen Übergriffen einen Platz in der öffentlichen Debatte, indem sie eine dauerhafte Auseinandersetzung und ernsthafte Hilfe für betroffene Frauen fordert. Sie warnt vor der Tendenz, nach einmaligen Protesten zum Alltag überzugehen, und legt Wert darauf, dass nachhaltige Veränderungen notwendig sind, besonders im Hinblick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Opfern. Trotz zahlreicher Initiativen ist digitale Gewalt – unter anderem durch Stalking via Smartphone, die Weiterverbreitung privater Fotos und Hetze im Netz – weiterhin auf dem Vormarsch, wie aktuelle Polizeiberichte und Studien bestätigen.

Aktuelle Entwicklungen und weitere Initiativen

In jüngster Zeit berichteten mehrere Medien über steigende Fallzahlen digitaler Gewalt und den schleppenden Fortschritt bei Rechtsanpassungen. Die Bundesregierung hat angekündigt, den Opferschutz durch strengere Gesetze zu stärken, vor allem hinsichtlich des sogenannten "Cyberstalkings" und der strafbaren Veröffentlichung intimer Bilder, während zivilgesellschaftliche Organisationen schärfere Maßnahmen und mehr niedrigschwellige Hilfsangebote fordern. Außerdem gibt es eine Zunahme von Online-Beratungsstellen und digitalen Safe Spaces, in denen Betroffene sich anonym austauschen oder erste Unterstützung finden können.

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