Eigentlich sind es diese Momente, in denen eine Gesellschaft zeigen könnte, dass sie dazugelernt hat: Wieder einmal werden Frauen zum Ziel von Angriffen im Internet – also kommt die Debatte hoch.
Aufrütteln reicht nicht, sagt Fernandes
Aber Collien Fernandes beobachtet, dass zu oft nur kurz darüber geredet wird, bevor wieder Alltag einkehrt. Sie hat in der Funke-Mediengruppe deutlich gemacht, dass das Problem dauerhaft auf der Agenda bleiben muss. "Nur weil alle gerade laut werden und Demos veranstalten, heißt das ja nicht, dass sich sofort alles ändert", sagt sie.Reaktionen auf eigene Erfahrungen – von Unverständnis bis Ignoranz
Anscheinend irritiert es nicht wenige Männer, wenn Frauen wie sie offen ihre Geschichte teilen. "Plötzlich heißt es, nicht alle Männer seien das Problem, oder: Wir wollen nicht falsch verdächtigt werden." Diese Haltung nervt Fernandes – weil sie davon ablenkt, über das echte Thema zu reden: Das Unrecht, das viele Frauen im Netz und darüber hinaus erleben. Sie fühlt sich von solch reflexartigen Reaktionen ausgebremst in dem Versuch, Verständnis zu fördern.Feminisimus und Männerängste: Ein schiefes Bild
Sie spricht offen an, wie schnell engagierte Frauen als "Männerhasserinnen" abgestempelt werden, nur weil sie sagen, was ist. Fernandes betont: Es gehe eben nicht darum, alle Männer pauschal zu beschuldigen, sondern endlich zuzuhören und Lösungen zu finden.Digitaler Raum als neue Bühne für alte Gewalt
Nicht erst seit gestern wissen Beratungsstellen: Was früher hinter verschlossenen Türen stattfand, wird heute ins Digitale verlagert. Bedrohungen, Überwachen, Beleidigungen – das alles passiert jetzt per Messenger, GPS-Tracking oder Social Media. Besonders perfide: Häufig nutzen Täter Technologien, um weiterhin Macht über Ex-Partnerinnen zu behalten.Rat und Rückhalt für Betroffene
Fernandes empfiehlt betroffenen Frauen, nicht zu schweigen. "Auch wenn du alleine dastehst oder dir niemand glaubt: Sprich darüber," so ihr Ratschlag. Denn gerade die Erkenntnis, kein Einzelfall zu sein, kann Halt geben.Politik, Polizei, Plattformen: Hier sind alle gefragt
Manchmal ist die größte Hürde, dass viele Übergriffe gar nicht richtig erkannt oder ernst genommen werden – weder von Freundeskreis noch von Behörden. Beratungsstellen und auch Expertinnen betonen, wie wichtig eine deutliche Gesetzgebung für digitale Gewalt ist. Plattformbetreiber, Justiz und Polizei müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht einfach die Augen verschließen. Wer genau hinschaut, ahnt: Die Dunkelziffer solcher Taten ist hoch, während Falschanschuldigungen selten sind.Zum Nachdenken: Zivilcourage und Vertrauen schaffen
Unterm Strich geht es Fernandes darum, dass aus kurzfristigem Aufruhr eine Haltung erwächst – überall, wo digitale Gewalt vorkommen kann. Vielleicht manchmal unbequem, aber notwendig.