Im Kern wirft Bartsch dem 'Spiegel' verantwortungslosen Journalismus vor, der AfD-Politiker wie Siegmund durch reißerische Titelblätter zusätzlich aufwertet und ihnen Aufmerksamkeit verschafft. Tatsächlich brodelt seit Erscheinen des Covers die mediale und politische Debatte darum, wie Medien mit rechtspopulistischen Akteuren umgehen sollten – zwischen dem Dilemma, Aufklärung zu leisten und das Spiel mit der Aufmerksamkeit nicht mitzumachen. Hintergründig spiegelt dieser Streit das größere Ringen um die Rolle des Qualitätsjournalismus wider, der im aktuellen Klima immer häufiger mit Vorwürfen des Boulevardismus oder gar einer bewussten Polarisierung konfrontiert wird. Recherchiert man weiter, so ist auffällig, dass unabhängige Medienhäuser in Deutschland intensiv über die wachsende Härte im Umgang mit AfD-Politikern berichten. Zusätzlich wird auch die Frage nach staatlicher Neutralität in der politischen Kommunikation häufiger laut – zum Beispiel im Zusammenhang mit Wahlarenen oder Fernsehdebatten, in denen Populist:innen eine Bühne bekommen. Während Dietmar Bartsch und viele Kolleg:innen die Gefahr sehen, dass Provokation medial belohnt wird, gibt es auch Stimmen, die Transparenz und kritische Öffentlichkeit als Gegenstrategien nennen.