Digitalisierung: Deutschland hinkt im EU-Vergleich hinterher

Während andere EU-Länder bei der Digitalisierung aufholen, verliert Deutschland weiter an Boden.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Es klingt, als sähen wir einen altbekannten Film, bei dem der Protagonist einfach nicht aus dem Quark kommt: Der aktuelle Digital-Index, den Bitkom jetzt veröffentlicht hat, zeigt, dass Deutschland auf Rang 17 unter den 27 EU-Nationen rutscht – im Vorjahr war es immerhin noch Platz 14. Interessant: Die Punktzahl ist zwar leicht geklettert, von 50,1 auf 51,1, aber im internationalen Tempo reicht das eben nicht. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht das Problem im deutschen Dauerkompliziert-Modus. Alles geht zu langsam, sagt er, von Planung bis Bewilligung, plus ein juristisches Dickicht, in dem selbst Fachleute sich verirren. Besonders peinlich fällt die Bundesrepublik bei der Digitalisierung der Behörden zurück – in dieser Disziplin reicht es laut Index nur zu Platz 22. Das ist ein Abstieg zum Vorjahr, und das spürt vermutlich jeder, der mal versucht hat, seinen Personalausweis digital zu beantragen. Ein kleiner Lichtblick: Im Mittelfeld liegt Deutschland, wenn es um digitale Infrastruktur und Transformation in Unternehmen geht, immerhin Rang 11. Und bei digitalen Kompetenzen gibt’s sogar einen Sprung nach vorne, auch hier Platz 11. Die Champions dieses EU-Reigens sind Dänemark, Finnland und die Niederlande, während Deutschland im Schneckentempo über die Ziellinie kriecht. Wintergerst hält die Vergleichbarkeit für schwierig – ein riesiger Bundesstaat wie Deutschland kann vielleicht nicht 1:1 mit Mini-Nationen wie Luxemburg gemessen werden. Trotzdem fordert er dringend Tempo: Schnellstarts bei Firmengründungen, Genehmigungen in Lichtgeschwindigkeit und mehr Mut zum Einsatz neuer Technologien – das klingt nach einem Weckruf, der schon lange durchs Land hallt, aber offenbar zu leise bleibt. Der Desi-Index kombiniert verschiedene Messgrößen von 5G über Glasfaser bis digitale Bildung und Unternehmenstransformation. Seit 2023 veröffentlicht Bitkom das Gesamtranking, weil die EU nur noch Einzelwerte ausweist.

Deutschland tut sich schwer, im europäischen Digitalisierungsrennen mitzuhalten. Während die Punktzahl im aktuellen Desi-Index minimal gestiegen ist, verliert das Land im Vergleich zu anderen Nationen an Rückhalt und rutscht ab – vor allem bei der digitalen Verwaltung. Nach Recherchen aktueller Medienberichte zeigen sich die größten Probleme weiterhin bei träge arbeitender Verwaltung, veralteter Infrastruktur und fehlender strategischer Umsetzung digitaler Konzepte. Vor kurzem berichtete die FAZ, viele Unternehmen klagen über langsame Behördenprozesse und ausbaufähige Netzinfrastruktur, während die taz eine steigende Ungeduld gegenüber der politischen Untätigkeit in diesem Sektor konstatiert. Der SPIEGEL hebt hervor, dass technologische Vorreiter wie Dänemark eine Kultur des Ausprobierens pflegen, während Deutschland in Bürokratie und föderaler Komplexität festhängt. Die politischen Debatten der letzten 48 Stunden zeigen zudem, dass diverse Verbände und Unternehmer nun sehr konkret gesetzliche Schnellverfahren und mehr digitale Bildung einfordern.

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