Kompromiss im EU-Parlament zur CO2-Reduktion
Manchmal verlaufen politische Verhandlungen anders als erwartet – so jetzt im Europäischen Parlament, wo Konservative, Sozialdemokraten und Liberale überraschend eine weichere Gangart beim Klima-Kurs für Neuwagen einschlagen. Anders als bislang geplant sollen neue Autos bis 2035 nur noch 87,5 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2021, statt die Emissionen komplett auf null zu drücken.
Verkauf von Verbrennern bleibt auch nach 2035 möglich
Der Clou am Vorschlag: Künftig könnten neue Verbrenner und Hybride weiterhin verkauft werden, ohne dass für Hersteller automatisch extreme Strafzahlungen lauern. Was manchem als fauler Kompromiss erscheint, bedeutet für die Autobranche, nicht über Nacht alles umkrempeln zu müssen. Noch ist das Ganze aber nicht in Stein gemeißelt, erst müssen die Fraktionen zustimmen – und, wer weiß, vielleicht erleben wir mal wieder einen Brüsseler Eiertanz.
Industrie bekommt mehr Luft: CO2-Grenzwerte könnten aufgeweicht werden
Das eigentümliche an diesem Deal: Es geht weniger um Ideologie, mehr um Spielräume für die Industrie. Die großen Fraktionen suchen offenbar einen Ausweg zwischen Klimaschutz und Industriesicherung – eine Gratwanderung, bei der nicht jeder begeistert applaudieren wird. Immerhin könnten die neuen Regeln Autoherstellern die Umstellung auf reine E-Autos ersparen, zumindest für einige Jahre.
Klimafreundlicher Stahl als Joker
Eigentlich fast untergegangen in dieser Debatte: Wer „grünen“, also nachhaltig hergestellten Stahl verwendet, dürfte den CO2-Zielwert noch einmal um 7,5 Prozentpunkte verringern – das ist sozusagen die Joker-Karte für autobegeisterte Tüftlerunternehmen. Die Klimabewertung eines Fahrzeugs geht dann also über Motor und Abgas hinaus, direkt an das Grundmaterial – irgendwie auch mal eine neue Perspektive.
Entscheidung verschoben – Was folgt?
Noch ist alles offen, die Fraktionen müssen handeln. Danach erst beginnt der politische Showdown mit Rat und Kommission, wo jeder wieder seine eigenen Vorstellungen einbringen wird. Wie sehr das tatsächliche Autoangebot oder die Preise (von denen ohnehin nie jemand weiß, wohin sie wirklich gehen) beeinflusst werden, bleibt – so ehrlich muss man sein – abzuwarten.
Einordnung
Persönlich frage ich mich, ob diese Lockerung mehr Klarheit für Verbraucher bringt oder ob es ein weiterer Schritt ins politische Zickzack ist. Zwar klingt es erstmal nach Pragmatismus und Erleichterung für Hersteller, aber am Ende wird – wie immer bei solchen Gesetzesnovellen – der Teufel im Detail stecken.
Was hat sich geändert?
Das EU-Parlament will die ursprünglich geplante komplette Emissionsfreiheit für Neuwagen ab 2035 aufweichen und gibt mit dem 87,5-Prozent-Ziel Autobauern mehr Flexibilität. Verbrenner und Hybridfahrzeuge könnten so weiterhin zugelassen werden, solange sie unter diesem CO2-Grenzwert bleiben. Gleichzeitig will die EU klimafreundlicher produzierte Materialien – vor allem grünen Stahl – zusätzlich anrechnen.
Wieso jetzt dieser Schritt?
Hintergrund ist eine Mischung aus politischem Druck, wirtschaftlichen Sorgen und technischen Unsicherheiten rund um die Transformation der Autobranche. Viele Hersteller fühlten sich von der „Null-Emissions-Deadline“ überrollt. Diese Anpassung könnte Arbeitsplätze sichern, aber auch die Klimaziele gefährden – ein echter Balanceakt.
Aktuelle Entwicklungen laut Medien
Laut taz wird der Kompromiss im EU-Parlament vielfach als Zeichen zunehmender Skepsis bei radikalen Umweltauflagen gewertet; Branchenvertreter begrüßen den Schritt als notwendige Entlastung
Quelle: taz. Die Süddeutsche berichtet, dass insbesondere osteuropäische Länder und Deutschland Druck für flexiblere Lösungen ausgeübt haben und die Automobil-Lobby ein entschiedener Antreiber der Lockerung war
Quelle: Süddeutsche Zeitung. Auf spiegel.de analysiert man die möglichen Folgen für die E-Mobilitätsstrategie der EU und weist darauf hin, dass Unsicherheit bei langfristigen Investitionen für Autobauer bleibt
Quelle: Spiegel.