Gastgewerbe widersetzt sich Flaute im Mittelstand: Ein Blick auf den Datev-Index

Während Handwerk und Industrie stellenweise Schwäche zeigen, legt das Gastgewerbe eine beachtliche Umsatzsteigerung hin – 5,9 Prozent plus im Vergleich zum Vorjahr. Ein paar erstaunliche Gründe spielen offenbar mit hinein.

heute 20:18 Uhr | 3 mal gelesen

Laut aktuellen Auswertungen des Datev-Mittelstandsindex, auf die sich die FAZ beruft, schrumpften im Juli die Umsätze des deutschen Mittelstands um etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach anfangs ordentlichen Zuwächsen bis März 2024 hat sich das Blatt seither gewendet. Es läuft nicht mehr rund – viele Unternehmen im Mittelstand kämpfen sichtbar mit Gegenwind. Robert Mayr, Chef von Datev, sieht die Ursachen in vielseitigen wirtschaftlichen Belastungen. Erstaunlich dagegen: Das Gastgewerbe schlägt sich wacker und verzeichnet als einzige Branche ein sattes Plus von 5,9 Prozent. Ein Erklärungsversuch liegt nahe – Kriege und Unsicherheit im Ausland halten aktuell mehr Deutsche im Land; Urlaub daheim boomt. Auch eine im Januar erfolgte Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen könnte einen Extraschub gebracht haben. Anders sieht es hingegen bei den Beschäftigtenzahlen aus: Trotz kräftigem Lohnplus von 6,5 Prozent ging die Vollzeitbeschäftigung um rund ein Prozent zurück. Lediglich auf den ersten Blick ein Widerspruch – doch steigende Löhne und Personalkosten sorgen oft für Stellenabbau. Die Datev-Auswertung fußt auf den anonymisierten Umsatzsteuervoranmeldungen von über einer Million Mittelständlern sowie Lohn- und Gehaltsdaten von mehr als acht Millionen Arbeitnehmern. Damit bildet der Index Trends häufig schneller ab als die offizielle Statistik – so zumindest das Selbstverständnis des Nürnberger IT-Dienstleisters.

Der aktuelle Datev-Mittelstandsindex zeigt eine kontrastreiche Entwicklung: Während der Mittelstand insgesamt unter konjunkturellem Druck steht und Umsatzrückgänge verbucht, wächst das Gastgewerbe überraschend stark weiter. Ursache sind offenbar geänderte Reisegewohnheiten infolge internationaler Krisen und steuerliche Erleichterungen für die Gastronomie. Neue Daten aus den letzten 48 Stunden bestätigen diese Tendenz und berichten, dass insbesondere regionale Gastronomen von der aktuellen Inlandstourismus-Welle profitieren, obwohl viele Betriebe wegen Personalknappheit und steigender Kosten weiterhin vorsichtig bleiben. Betrachtet man aktuelle Informationen aus der „Süddeutschen Zeitung“, so beklagen viele Betriebe trotz guter Buchungslage Fachkräftemangel und hohe Energiepreise. Außerdem veröffentlichte die "FAZ" neue Zahlen, wonach viele Gastronomiebetriebe zunehmend auf Automatisierung setzen, um fehlendes Personal auszugleichen. Die "Zeit Online" hebt hervor, dass dank starker Nachfrage nach Kurzurlauben und Regionalreisen auch kleinere Gastbetriebe in ländlichen Gebieten teils deutliche Umsatzzuwächse melden.

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