Klingbeil brachte die Diskussion um die neue Einkommenssteuerreform erneut auf den Punkt. "Das ist gemeinsam von Kanzler und CSU beschlossen worden", sagte er dem 'Redaktionsnetzwerk Deutschland', besonders im Hinblick auf die kalte Progression – jene Steuerfalle, die dafür sorgt, dass Reallohnerhöhungen trotz Inflation zu mehr Steuerlast führen. Streitpunkt mit der Union ist vor allem, dass angeblich nicht alle Betroffenen entlastet werden. Klingbeil bekräftigt: "Wir haben die Unterstützung gezielt auf kleinere und mittlere Einkommen sowie Familien fokussiert." Eine Familie mit zwei Kindern könne, so Klingbeil, mit etwa 600 Euro pro Jahr entlastet werden – das solle keinesfalls kleingeredet werden. Im Koalitionsausschuss sei bewusst entschieden worden, diesen Bereich zu stärken. Wenig überraschend gestand der Minister ein: "Die Haushaltslage ist eng." Dennoch passiere eine teilweise Anpassung der kalten Progression, so der SPD-Chef, insbesondere für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Angesprochen auf die Möglichkeit, dass steigende Sozialabgaben die Entlastung auffressen könnten, zuckte Klingbeil (symbolisch) mit den Schultern: "Eigentlich waren meine Vorschläge noch umfassender." Sollte es im Sinne der Bürger Verbesserungen durch Spitzensteuersatz-Erhöhungen oder eine andere Erbschaftssteuer geben, sei er sofort dabei.
Die geplante Einkommenssteuerreform bleibt kontrovers: Klingbeil betont, dass die in der Koalition vereinbarten Maßnahmen vor allem Familien sowie Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zugutekommen sollen. Einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression gibt es zwar nicht, wohl aber gezielte Teilentlastungen. Laut aktuellen Meldungen wächst der Druck auf die Ampelkoalition von mehreren Seiten, unter anderem fordern Wirtschaftsverbände eine umfassendere Anhebung der Freibeträge, während Sozialverbände zusätzliche Maßnahmen für Geringverdiener verlangen. Außerdem zeigen neue Umfragen, dass ein Großteil der Bevölkerung die geplante Reform als nicht ausreichend empfindet und eine gerechtere Verteilung der Steuerlast erwartet. Experten empfehlen, bei künftigen Steueranpassungen verstärkt die Auswirkungen auf die Sozialversicherungssysteme mitzudenken, da Inflation und steigende Beiträge das Ziel realer Entlastungen unterlaufen könnten.