Grüne setzen auf Entsiegelung nach niederländischem Prinzip: Beton raus, Grün rein?

Die grüne Bundestagsfraktion will mit einer Klimaanpassungsinitiative gezielt auf das Aufbrechen von versiegelten Flächen setzen – inspiriert vom niederländischen 'Tegelwippen', wo Bürger Pflastersteine gegen Grünanlagen tauschen und so einen Wettstreit zwischen den Kommunen lostreten.

heute 06:32 Uhr | 2 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass der Kampf gegen Klimastress im Vorgarten beginnt? Genau dort wollen die Grünen nämlich ansetzen und fordern in ihrer Fraktionssitzung eine Art Entsiegelungs-Boom – nicht abstrakt, sondern ganz konkret, Stein für Stein.

Eine stille Revolution aus den Niederlanden

Die Niederländer haben es vorgemacht, wie man mit kleinen Gesten großen Wandel lostreten kann. Beim 'Tegelwippen' krempeln Nachbarn ihre Ärmel hoch, wuchten Pflastersteine aus Bodenfugen und melden jeden Quadratmeter entsiegelte Fläche. Ein Wettbewerb, fast schon sportlich, entspinnt sich – und plötzlich wird Umweltschutz zum Nachbarschaftsprojekt, das in der digitalen Rangliste sichtbar wird.

Auch in Deutschland gibt es „Abpflastern“ bereits als ähnlichen Ansatz, aber es fehlt die Dynamik und der gesetzliche Rückenwind. Vielleicht liegt es an der deutschen Mentalität, vielleicht an der Bürokratie – schwer zu sagen. Unbestreitbar aber: Die niederländischen Zahlen („über 22,6 Millionen Steine raus“) klingen fast unfassbar.

Das grüne Hygge für Stadt und Klima

Die grüne Idee dahinter wirkt eigentlich nahbar: Regenwasser kann besser versickern, wenn es nicht an Asphalt abperlt, Städte heizen weniger auf und irgendwo zwischen weichem Moos und sprießendem Klee könnten sich sogar die Nachbarn treffen. Klimaanpassung wird hier also plötzlich etwas Alltägliches – nicht nur Sache von Bauämtern, sondern von jeder Hand, die einen Ziegel heraushebelt.

Die Initiative aus der Fraktion trifft einen Nerv, wie Julia Verlinden betont – die Klimakrise macht Städte zu Glutöfen, mahnt sie, und ein Gegentrend ist überfällig. Katharina Dröge sieht darin eine echte Wegmarke für die deutsche Klimapolitik – und fordert politisch mehr Mut: Mehr als nur Appelle, sondern Unterstützung, Regelungen, vielleicht sogar finanzielle Anreize für solche Projekte.

Wie weit trägt der Wettbewerbsgedanke?

Man merkt dem Antrag an, wie schwer sich Viele mit dem pragmatischen Ansatz tun. Denn: Der Wettbewerb ist zwar charmant, nur alleine damit wird jahrzehntelang versiegelte Fläche nicht verschwinden. Die Grünen fordern daher, dass der Bund und das Gesetz nicht tatenlos zusehen, sondern aktive Flankierung liefern.

Dass Städte darunter leiden, ist schon durch Starkregen oder Dürresommer bekannt geworden; die Debatte über weniger Beton und mehr Freiraum ist längst da. Aber wie so oft ist der Weg von der Aufmerksamkeit zum echten Wandel ein anderer.

Widerstand, Zweifel, Ausblick

Es bleibt abzuwarten, ob diese Entsiegelungsoffensive über bloße Symbolpolitik hinauskommt oder nur ein weiteres Puzzlestück im Flickenteppich deutscher Klimapolitik wird. Die Hoffnung ist: Viele kleine Steine können ins Rollen geraten – im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht steckt ja sogar ein bisschen Spaß daran, gemeinsam anpacken und etwas Grünes erschaffen zu dürfen. Nicht überraschend: Die Frage der gesetzlichen Nachschärfung bleibt der Knackpunkt, denn von Freiwilligkeit allein bleibt der Asphalt, wo er ist.

Die Grünen fordern einen politischen Kurswechsel: Entsiegelte Flächen sollen Städte abkühlen und die Folgen der Klimakrise abfedern – nach dem erfolgreichen Beispiel aus den Niederlanden, bei dem Bürger millionenfach Pflastersteine gegen Blumenbeete und Wiesen eintauschen. Während der deutsche Wettbewerb „Abpflastern“ erste Impulse liefert, bleibt die große Wirkung jedoch noch aus – vor allem, weil bisher meist auf Freiwilligkeit gesetzt wurde. Neue Forderungen nach Förderprogrammen, rechtlichen Vorgaben und gezieltem Fördermittel-Einsatz setzen die Bundesregierung unter Zugzwang, das Thema Entsiegelung künftig ernster anzugehen und nicht nur als nettes Nebenprojekt zu behandeln.

Hintergrund aus aktuellen Medien

In der FAZ wurde jüngst berichtet, wie die Stadt Darmstadt beispielhaft Flächen entsiegelt und Bürger motiviert, eigene Steine zu melden. Dabei wurde besonders betont, wie eine Mischung aus persönlicher Beteiligung und politischer Förderung den Erfolg sichert (Quelle: FAZ).

Spiegel Online fokussierte auf die Problematik, dass trotz vorbildlicher Pilotprojekte vielerorts der bürokratische Aufwand Engpässe schafft. Dadurch verlängert sich der Zeitraum bis zur realen „Entsiegelung“ oft erheblich – ein klarer Gegensatz zum niederländischen Pragmatismus (Quelle: Spiegel).

Die Zeit hebt in einer aktuellen Analyse hervor, dass noch Unsicherheit besteht, wie kommunale Verwaltungen sich neu strukturieren müssen, um Entsiegelung als echte Querschnittsaufgabe zu verstehen. Dennoch wird der deutsch-niederländische Austausch über praktische Klimaanpassung als wichtige Blaupause für den weiteren Diskurs hervorgehoben (Quelle: ZEIT).

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