Grundeinkommen als Antwort auf KI: Wildberger ringt um neuen Ansatz

Digitalminister Karsten Wildberger spielt weiter mit dem Gedanken eines Grundeinkommens, um KI-bedingte Umwälzungen im Arbeitsmarkt abzufedern – auf eine neue, weniger vorbelastete Weise. Finanziert werden soll das Ganze vor allem mit Steuern auf KI-Unternehmen und Umschulungsprogrammen.

heute 06:03 Uhr | 2 mal gelesen

Neuer Blick auf Grundeinkommen in Zeiten der KI

Kaum ein Thema treibt die Politik derzeit so sehr um wie die Frage: Was passiert mit uns, wenn Künstliche Intelligenz massenhaft Berufe verändert oder ganz verdrängt? Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat sich diese Frage ebenfalls noch mal genauer vorgeknöpft. Er hält es für sinnvoll, über ein neues Modell von Grundeinkommen nachzudenken – nur beim altbekannten Begriff will er sich nicht länger aufhalten.

Bedingungsloses Grundeinkommen – ein politisch vermintes Gelände

Wildberger sagt klar, dass er mit dem sperrigen Begriff "bedingungsloses Grundeinkommen" am liebsten nichts mehr zu tun haben will. Er setze lieber auf einen frischen Anstrich, um den alten Streit hinter sich zu lassen – das grundlegende Prinzip bleibt für ihn jedoch diskussionswürdig. Interessant ist: Sein Fokus liegt längst nicht mehr nur auf der Sicherung des Existenzminimums, sondern darauf, wie Menschen möglichst reibungslos die Seiten wechseln können, wenn alte Jobs durch KI verschwinden und neue entstehen.

Jobs, Wachstum, Risiken – ein Hin und Her

Zugegeben: Der Digitalminister wechselt beim Thema KI und Arbeit gelegentlich die Perspektive. Einerseits entstehe rund um cloudbasierte Dienste, Rechenzentren und neue Datenjobs durchaus frische Beschäftigung. Andererseits weiß niemand, wie lange dieser Trend anhält – eine gewisse Skepsis schwingt da schon mit. Wildberger plädiert daher für einen Mix aus gezielten Qualifizierungen und Umschulungen sowie für ein finanzielles Polster, das die KI-Boombranchen selbst mittragen sollen.

KI-Umsätze stärker besteuern?

Steuerliche Abgaben auf KI-Unternehmen – das klingt nach Robin-Hood-Moment, könnte aber auch Tücken haben: Was, wenn Firmen dann Standorte ins Ausland verlegen? Trotzdem fordert Wildberger, die enormen Umsätze der KI-Industrie nicht nur als Konjunkturmotor zu sehen, sondern auch als Geldquelle für den sozialen Umbau. Bundeskanzler Merz steht angeblich hinter ihm – oder doch nicht ganz?

Umschulungen statt Gießkanne

Im Gespräch bleibt: Die Tage, in denen jeder Bürger einfach so monatlich Geld aufs Konto bekam, sieht Wildberger nicht kommen. Die Idee ist umfassender – Transfers und Unterstützungen gezielt einsetzen, damit niemand zurückbleibt, wenn der Strukturwandel Fahrt aufnimmt.

Die große Unwägbarkeit

Es bleibt offen: Lässt sich das alles finanzieren, ohne die Innovationsfreude abzuwürgen? Klar ist nur, dass die Rollen von Fortbildung und klugem Verteilen von Produktivitätsgewinnen spürbar wachsen werden. Ein bisschen fühlt man sich wie in einem Reallabor, in dem gerade heftig experimentiert wird.

Thema in der Politik Dauerbrenner – und noch viele Fragen offen

Karsten Wildberger sucht einen Mittelweg zwischen traditionellem Grundeinkommen und zielgerichteter Förderung durch Umschulungen und Teilhabestärkungen – gerade im Hinblick auf Unsicherheiten, wie sich KI längerfristig auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Inzwischen diskutieren auch andere Politiker:innen Ideen zur stärkeren Besteuerung von KI-Geschäften, wobei die Befürchtung besteht, dass eine übermäßige Besteuerung zu Standortverlagerungen führen könnte; insbesondere Unternehmen im Tech-Bereich positionieren sich unterschiedlich zu solchen Vorschlägen. In aktuellen Medien wird berichtet, dass die Zahl der durch KI und Digitalisierung begleiteten Neugründungen in Deutschland zunimmt, gleichzeitig aber auch viele traditionelle Beschäftigungsfelder schrumpfen; die Bundesregierung setzt deshalb verstärkt auf Bildungsoffensiven und Zuschüsse für Umschulungsinitiativen.

Neueste Berichte, z.B. von der FAZ und taz, betonen, dass es einen politischen Schulterschluss für gezielte Weiterbildung und für eine möglichst gerechte Verteilung der KI-Profite braucht. Es mehren sich Stimmen aus Wissenschaft und Wirtschaft, die auf hybride Modelle drängen, in denen Elemente der Grundsicherung mit Flexibilitätsförderung und Innovationsprämien kombiniert werden. Insgesamt ist die Diskussion hochdynamisch; frühere klare Fronten zwischen „pro“ und „contra Grundeinkommen“ weichen auf – neue Kompromisslinien und Modelle stehen im Fokus.

Schlagwort aus diesem Artikel