IW sieht Wirtschaftsrisiko durch ausgetrocknete Flüsse

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt aktuell davor, dass anhaltendes Niedrigwasser deutsche Flüsse zur Achillesferse der Wirtschaft machen könnte – und rechnet deshalb im schlimmsten Fall nur noch mit Stagnation.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

Thilo Schäfer, Experte für Digitalisierung und Klimawandel beim Institut der deutschen Wirtschaft, musste sich dieser Tage in der 'Bild'-Zeitung äußerst skeptisch über die aktuelle Wirtschaftslage äußern. Wegen der niedrigen Wasserstände könnten in diesem Jahr etwa 0,4 Prozent Wachstum einfach verdunsten. Das klingt nach wenig, aber auf den ohnehin schwächelnden deutschen Konjunkturmotor könnte das die gleiche Wirkung haben wie ein Sandkorn im Getriebe eines Uhrwerks: alles steht still, sobald auch der Rhein – die wichtigste Wasserstraße – nicht mehr richtig befahrbar ist. Das hatten wir bereits 2018, erinnert Schäfer, als das BIP spürbar gebremst wurde, nur weil Binnenschiffe mit halber Beladung oder gar nicht mehr fahren konnten. Besonders getroffen werden sensible Branchen wie Chemie oder Stahl, die auf konstante Zulieferung angewiesen sind. Gerade aktuell stehen zum Beispiel in Köln die Schiffe wortwörtlich auf dem Trockenen. Was mir beim Nachdenken auffällt: Niemand denkt beim Wetter an Maschinenstillstand oder Produktionsausfälle, dabei ist das ganz real. Schäfer gibt zu bedenken, dass der Klimawandel diesen Druck noch erhöht – nicht so sehr durch häufigere kleine Regenschauer, sondern durch seltene, dann aber umso heftigere Niederschläge. Trockene Sommer und plötzlich anschwellende Flüsse, das passt nicht zu vorhersehbaren Lieferketten. Solange wir auf Kohle, Öl und Gas setzen, verschärft sich das Problem. Faszinierend irgendwie, wie sehr die großen Stillstandsrisiken aus etwas Banalem wie „zu wenig Wasser“ erwachsen können.

Die deutsche Wirtschaft steht angesichts der anhaltenden Dürreperioden und des Niedrigwassers in den Flüssen unter zunehmendem Druck; bereits geringe Schwankungen beim Wasserstand gefährden Lieferketten in zentralen Branchen. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt, dass das erwartete Wachstum des Bruttoinlandsprodukts durch Transportausfälle um etwa 0,4 Prozentpunkte sinken könnte, was die fragile Konjunktur vor ernstzunehmende Herausforderungen stellt. Neue Recherchen zeigen, dass die klimawandelbedingte Verschiebung der Niederschlagsmuster – von gleichmäßigen zu teils heftigen, aber seltenen Regenfällen – die Wiederholungswahrscheinlichkeit solcher Engpässe deutlich erhöht, wodurch Unternehmen künftig flexiblere, teils auch digitale Alternativlogistik entwickeln müssen; aktuelle Stimmen fordern daher politische und unternehmerische Investitionen in moderne Infrastruktur und resiliente Logistiklösungen.

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