Mecklenburg-Vorpommern: BSW will Merkel und Schröder als Friedensstifter im Ukraine-Krieg

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Mecklenburg-Vorpommern fordert überraschend, die früheren Kanzler Angela Merkel und Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine einzusetzen. Gleichzeitig spricht sich die Partei für das Ende der Russland-Sanktionen, den Wiedereinstieg in russisches Gas und eine Politik mit flexibleren Mehrheiten – auch unter Einbeziehung der AfD – aus. Auch sozialpolitisch peilt man markante Veränderungen an.

heute 12:11 Uhr | 3 mal gelesen

Das BSW in Mecklenburg-Vorpommern bringt mit seinem neuen Arbeitsplan ordentlich Bewegung in die politische Szene des Bundeslandes. Parteigründerin Sahra Wagenknecht und ihr Team schlagen vor, Angela Merkel sowie Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg starten zu lassen. Angeblich hätten beide gemeinsam eine ganz andere Wucht, was ernsthafte Friedensverhandlungen betrifft – zumindest, so die Hoffnung der Partei.

Früheres Personal, neue Mission?

Im Konzeptpapier „10 Schritte zum Neustart für MV“ macht das BSW ziemlich klar, dass es einen Kurswechsel im Stabilitätsdreieck zwischen Deutschland, Moskau und Kiew will. Demnach soll die Landesregierung gezielt Ex-Regierungschefs zur Konfliktbeilegung ins Rennen schicken – mit all ihrer Erfahrung und, so wird betont, internationalem Renommee.

Schlussstrich bei Sanktionen – Abschied von alten Koalitionen

Radikal ist die Linie auch in der Energie- und Außenpolitik: Das BSW fordert nicht nur, die Sanktionsspirale gegen Russland zu stoppen, sondern will die Gaslieferungen per Nord-Stream unbedingt wieder anschieben. Unter dem Motto „Mehr Anklam, weniger Kiew“ lehnt die Partei jede weitere finanzielle oder militärische Beteiligung Deutschlands am Ukraine-Konflikt ab. Der Verweis auf die Preisexplosionen und die wirtschaftlichen Risiken für den Osten Deutschlands klingt dabei fast schon wie eine Stoßgebet an die Sorgen der Stammwähler.

Ministerpräsident ohne Parteifarbe?

Ein Novum ist auch die Idee, in Mecklenburg-Vorpommern einen überparteilichen Landeschef mit wechselnden Mehrheiten einzuführen – offen, auch mit Unterstützung der AfD, wenn es die Sache sinnvoll erscheinen lässt. Das Konzept des „Anti-Brandmauer-Modus“ widerspricht damit recht deutlich den bekannten Abgrenzungen zu Rechtspopulisten, wie sie die meisten Parteien so pflegen. Der demokratische Slogan dahinter: Entscheidend sei das Thema, nicht durch wen es politisch eingebracht werde.

Preisdeckel, Nahverkehr, Medien, Steuern

Auch im Geld- und Sozialbereich bleibt kein Thema unangetastet: BSW fordert einen Spritpreisdeckel von 1,50 Euro, steuerfreien Agrardiesel für Bauern und kostenloses Mittagessen samt Nahverkehr für Schüler und Azubis. Zudem müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf den Prüfstand, mit dem Ziel: Grundsanierung. Und sogar eine Milliardärssteuer steht auf der Liste. Wagenknecht bringt das Ganze auf die Formel: "Neuanfang aus MV – warum nicht gleich für ganz Deutschland?"

Abkehr von Bundespraxis und neue Allianzen

Insgesamt setzt die BSW-Offensive auf Brüche: außenpolitisch durch Forderungen jenseits der „Ampel“-Haltung und innenpolitisch mit Ideen, die klassische Mehrheiten und Koalitionen bewusst hinter sich lassen. Der eigentliche Sprengstoff: Die Integration der AfD, zumindest punktuell, ist kein Tabu mehr. Dass man dabei in Kauf nimmt, politisch ordentlich anzuecken, scheint Teil des Plans zu sein. Jedenfalls heißt es im Arbeitsprogramm auffällig deutlich, man wolle nur über Inhalte reden, nicht über Absender oder Empfänger – ob das klappt?

BSW und die Altkanzler als Friedensbotschafter

Die Initiative, Angela Merkel und Gerhard Schröder als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine einzusetzen, stößt national und international auf gemischtes Echo. Während die Bundesregierung und große Teile der Opposition den Ansatz als realitätsfern und pro-russisch kritisieren, verweist das BSW auf die diplomatischen Erfolge der Altkanzler in früheren Krisen. Allerdings betonen zahlreiche Analysten, dass Merkels eigene Distanzierung von Schröder und die gegenwärtige geopolitische Situation Vermittlungsversuche sehr erschweren, zumal Deutschland im Westen als enger Partner der Ukraine betrachtet wird.

Sozial- und Energiepolitik mit Sprengkraft

Die Forderung nach einem schnellen Wiedereinstieg in russisches Gas sowie ein Ende aller Sanktionen wird besonders in Hitzezeiten wie der aktuellen Haushaltsdebatte auf Bundesebene debattiert. Kritiker warnen, dass eine solche Kehrtwende Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit beschädigen und die Abhängigkeit von russischer Energie erneut steigern könnte. Andererseits findet das BSW mit sozialpolitischen Maßnahmen wie Familienpaketen und dem Spritpreisdeckel durchaus Anklang in ländlichen Regionen, wo die Teuerungen besonders durchschlagen – ein Beispiel für die wachsende Skepsis gegenüber der gegenwärtigen Ukraine-Politik.

Politische Folgen für den Osten und Deutschland

Der Ansatz eines „unideologischen“ Regierungsstils – auch unter Einbeziehung der AfD – markiert einen Tabubruch, der besonders in den ostdeutschen Ländern auf Resonanz stößt. Solche Modelle könnten laut Politikwissenschaftlern mittelfristig zur Verschiebung bisheriger Machtblöcke führen. Die aktuellen Umfragewerte des BSW im Osten, insbesondere in den neuen Bundesländern, zeigen, dass mit Protestwählern und Enttäuschten weiterhin stark zu rechnen ist.

Zusätzliche Details (Stand: Juni 2024)

Neueste Recherchen zeigen, dass im Bundestag teils sogar Parlamentarier der SPD und CDU die Notwendigkeit „kreativer Friedenslösungen“ diskutieren, wobei jedoch Merkel und Schröder kaum als realistische Vermittler gelten. Laut mehreren deutschen Medienportalen verschärfen sich die Debatten um Energiepreise, mit weiter wachsenden Anliegen und Protesten im Nordosten. Nationale Experten warnen zudem davor, durch Aufweichung der Russland-Sanktionen die gemeinsame Linie der EU zu gefährden.

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