Ein Kontinent im Schwarzwald: Wenn Afrika für ein Wochenende ganz nahe rückt

Oberkirch/Rheinau – Afrikanische Weiten, Savannengeschichten und Buschgefühl mitten in Baden? Wer das für abwegig hält, der kennt Matto Barfuss nicht. Der preisgekrönte Tierfilmer, Künstler und Erzähler bringt die fremde Wildnis für ein paar Tage in den Nordschwarzwald – und wirft einen sehr persönlichen Blick auf das, was uns an Afrika festhält und zugleich herausfordert.

heute 12:11 Uhr | 2 mal gelesen

Elefanten, die stoisch ihren endlosen Marsch vollführen, Löwen, die im goldenen Abendlicht fast träumerisch wirken – all das, was in Afrika oft wie ein ferner Mythos erscheint, ist hier plötzlich greifbar. Über 50 Prozent der großen Wildtiere sind in Afrika seit einem halben Jahrhundert verschwunden. Besonders Löwen und Geparden, die sinnbildlich für Kraft und Eleganz stehen, trifft es dramatisch: 95 Prozent sind schlicht nicht mehr da. Für Matto Barfuss, der seit mehr als drei Jahrzehnten immer wieder ins Herz des Kontinents gereist ist, sind diese Zahlen bittere Realität und persönlicher Auftrag. Er lebte mit wilden Geparden als Teil ihres Familienrudels, saß stundenlang mit Gorillas, wurde zum Chronisten der Wildkatzen. Und tatsächlich: Filme wie "Maleika" oder "Pambara" sind längst ein Weckruf über deutsche Kinosäle hinaus.
Ob das klar wird, wenn Barfuss im Schwarzwald zu seinem "Afrika trifft Heimat"-Wochenende lädt? Die Gästezahl ist auf 20 Menschen begrenzt – fast schon intim angesichts des großen Themas. Es geht an besagtem Wochenende nicht nur um das Staunen: Freitag beginnt mit Geschichten und tieferen Gesprächen beim Dinner. Am Samstag dann eine Reise, die weder Pass noch Impfpass verlangt, sondern einzig offene Sinne für Bilder, Erinnerungen und Berichte. Länderportraits, Wellness-Auszeit, abends eine Show aus Bildgewalt und subtiler Nachdenklichkeit. Sonntag: das "Kunsthaus der wilden Katzen" – eine Ausstellung, die fast wie ein geheimes Fenster nach Afrika wirkt. Abschluss? Ein gemeinsames Essen, offen, leicht wehmütig vielleicht.
Dahinter steckt ein Gedanke – und der ist eigentlich unbequem: Wer Afrikas Schönheit erkennt, kann seine Verantwortung nicht mehr abgeben. Die Stiftung von Matto Barfuss, seit 2025 als Initiative fest verankert, wirkt in Botswana, Ost- und Südafrika. Es bleibt kein kurzes Erlebnis. Die Einladung: Schauen, staunen, handeln – und vielleicht auch ein wenig ins eigene Herz reisen.

Das beschriebene Afrikawochenende im Nordschwarzwald öffnet einen ungewöhnlichen Zugang zu fernen Lebensräumen, bietet aber auch Raum für Nachdenklichkeit. Matto Barfuss verbindet eindrucksvolle Natur- und Tierschutzgeschichten mit persönlicher Begegnung und will bei seinen Gästen die Frage nach Verantwortung wecken. Neuere Recherchen zeigen, dass das Interesse an nachhaltigem Tourismus und Tierschutz ungebrochen hoch ist: So berichtet die 'Zeit' aktuell über eine wachsende Community, die Wildtierschutz aktiv in Reiseangebote integriert. 'Der Spiegel' beleuchtet in einem frischen Hintergrundbericht die Schattenseiten des internationalen Wildtierhandels, der für viele Bestandsrückgänge verantwortlich ist. Und bei 'DW' wird über jüngste Erfolge im Schutz von Elefantenpopulationen in Botswana berichtet, was Hoffnung macht – wobei dort ebenfalls die Verbindungen zwischen Tourismus und Schutzmaßnahmen betont werden.

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