Eine aktuelle Untersuchung des Ifo-Instituts wirft ein Schlaglicht auf die sozial ungleiche Belastung durch Preissteigerungen, die ihren Ursprung im Nahen Osten haben – und in Deutschland Spuren hinterlassen, vor allem bei den finanziell Schwächeren. "Haushalte mit geringem Einkommen können Preisanstiegen, die uns via Weltmärkte erreichen, kaum ausweichen", so Forscherin Tiphaine Wibault vom Ifo-Institut. Im Großen und Ganzen werden den Auswertungen zufolge die Deutschen dieses Jahr rund 16,8 Milliarden Euro mehr für Konsum ausgeben müssen. Besonders hart erwischt es soziale Gruppen im unteren Einkommensbereich: Im ärmsten Zehntel der Haushalte geht im Schnitt fast 3 Prozent des verfügbaren Geldes allein dadurch verloren. Wer zu den Spitzenverdienern zählt, kommt mit gut einem halben Prozent Einkommenseinbuße davon. Im Mittel sind es knapp über ein Prozent Verlust. Auffällig ist: Es gibt keine Abfederung wie beim Energiepreisdeckel 2022 – das trifft fragile Gruppen direkt. Ältere Menschen, speziell Rentnerpaare und alleinlebende Senioren, trägt es überproportional mit – ihnen fehlen Arbeitseinkommen als Puffer, und der Anteil für Energieausgaben am Haushaltsbudget ist überdurchschnittlich. Für viele fühlt sich das so an, als würde ein entferntes Problem im Nahen Osten plötzlich auf dem eigenen Kontoauszug erscheinen – eine abstrakte Globalisierung, die sich direkt bemerkbar macht.
Die Ifo-Studie zeigt: Während der jüngste Nahost-Konflikt die Preise in Deutschland treibt, leiden vor allem jene Haushalte, die bereits wenig Spielraum für zusätzliche Ausgaben haben. Überproportional betroffen sind nicht nur Geringverdiener, sondern auch Rentnerinnen und Rentner, die keinen Einkommenspuffer haben und prozentual mehr für Energie ausgeben müssen. Anders als bei früheren Energieschocks bleibt diesmal ein effektiver Schutzschirm wie der Preisdeckel aus – die Teuerung trifft die Menschen unmittelbar. Hinzu kommt: Die langfristigen Folgen könnten sich laut neuen Einschätzungen durch die globale Unsicherheit noch verschärfen, da insbesondere Gas- und Ölpreise weiter volatil bleiben. In verschiedenen Medienberichten wird darauf hingewiesen, dass soziale Spaltung und Armutsrisiken damit weiter steigen, zumal Transferleistungen wie Wohngeld oftmals hinter der tatsächlichen Preisentwicklung zurückbleiben.