Das Ganze kam im Podcast "Im Osten" vom Tagesspiegel zur Sprache – ein eher nüchternes Format, aber Schmidt-Kesseler fand deutliche Worte. Die "Remigrationsoffensive", wie sie im AfD-Programm für Sachsen-Anhalt steht, störe allein schon durch ihre Ankündigung das Investitionsklima. Für viele Beschäftigte, aber auch für die Chemieunternehmen, gehe es dabei nicht nur um Symbolik: Das Bild vom offenen Standort bekommt Kratzer – wer will schon dort arbeiten, wo er oder sie sich unwillkommen fühlen soll? Die Chemieindustrie ist, so Schmidt-Kesseler, auf internationale Mitarbeitende angewiesen – schätzungsweise 60.000 Jobs in Ostdeutschland hängen direkt oder indirekt davon ab, besonders im Bereich Leuna und Bitterfeld. Vieles hängt aber auch an den Energiekosten: 'Zum ersten Mal seit langen Jahren schließen wir Betriebe, Arbeitsplätze verschwinden, Produktionen werden ins Ausland verlagert. Das liegt, seien wir ehrlich, in erster Linie am Preis für Strom und Gas', so die Hauptgeschäftsführerin. Der Wettbewerbsreport Ostdeutschland vom Ifo-Institut bestätigt diese Entwicklung: Investitionen stocken, Fachkräfte werden rar, und die alternde Gesellschaft bremst das Wachstum. So stehen in der Region nicht nur die Chemie-, sondern auch die Autoindustrie am Scheideweg – die Sorgen wachsen.
Die zentrale Aussage: Die Chemieindustrie in Ostdeutschland sieht ihre Zukunft bei einer Regierungsübernahme durch die AfD massiv bedroht. Einerseits fürchtet man um die Standortattraktivität aufgrund des migrationskritischen Klimas, das bereits durch politische Debatten und Wahlprogramme negative Signale an ausländische Fachkräfte sendet. Andererseits treiben die enormen Energiekosten Betriebe in die Verlagerung oder Schließung, was den Strukturwandel im Osten weiter bremst und hohe Verluste von gut bezahlten Jobs verursacht. Laut aktuellen Medienberichten verstärken sich diese Sorgen: Im Streit um die Industriestrompreisbremse herrscht weiterhin Uneinigkeit auf politischer Ebene, etwa laut der Süddeutschen Zeitung. Gleichzeitig warnt der Ostdeutsche Wirtschaftsverband vor einer politischen Polarisierung, die wirtschaftliche Investitionsentscheidungen zunehmend beeinflusst. Außerdem zeigt eine neue taz-Analyse, dass die Rechtspopulisten besonders in strukturschwachen Regionen durch soziale Unsicherheit an Zuspruch gewinnen, was wiederum Unsicherheit für Industrie und Mittelstand schürt.