Der Ministerpräsident von Bulgarien Bojko Borissow, von dem kompromittierende Fotos kursieren, wurde nach eigenen Angaben zum Opfer einer handfesten Intrige.

Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (Ausgabe vom 29. November 2020) sagte Borissow, die von ihm kursierenden Bilder aus seinem Schlafzimmer seien arrangierte Aufnahmen gewesen, die einem Lehrbuch des (sowjetischen Geheimdienstes) KGB entsprungen sein könnten. Die Bilder wurden schon im Sommer 2020 öffentlich. Sie zeigen Borissow in seinem Bett schlafend, während auf dem Nachtschrank nebenan eine Pistole, Bündel mit 500-Euro-Scheinen und Goldbarren zu erkennen sind. Der bulgarische Ministerpräsident macht für die Bilder eine seiner Geliebten verantwortlich. Sie habe diese Fotos und auch Videos in seinem Haus im Auftrag krimineller Oligarchen angefertigt. Diese wollten sich wohl an ihm rächen, weil er Bulgarien reformiert habe. Auch sei nur durch ihn das Land auf dem Weg in die Eurozone. Gegen sein Engagement hätten seine Gegner jahrelang Pläne geschmiedet. Seine Reformen hätten seine Feinde noch mehr angespornt.

Borissow bestreitet nicht die Echtheit der Fotos von ihm selbst in seinem Bett. Damit ende aber die Echtheit bereits, denn sowohl die Pistole als auch das Gold und das Geld hätte die frühere Geliebte heimlich ins Haus geschmuggelt, um dann während seines Schlafs dieses Arrangement zu fotografieren. Zweifellos habe er Fehler gemacht: Er sei gegenüber dieser Frau zu vertrauensselig gewesen. In all den Jahren der Besuche durch diese „Dame“ (O-Ton Borissow) hätten die Sicherheitsleute niemals deren Taschen durchsucht. Das sei natürlich ein Versäumnis gewesen, so der Politiker.

Borissow regiert den EU- und NATO-Staat Bulgarien seit 2009 (mit kurzen Unterbrechungen). Sich selbst bezeichnet er als „erfolgreichen Politiker mit fehlgeschlagenem Privatleben“. Letzteres versuchten seine Gegner immer wieder gegen ihn zu verwenden. Es eigne sich nun einmal gut für solche inszenierten Skandale wie die Veröffentlichung der besagten Fotos. Zu diesen Mitteln würden die Oligarchen greifen, da er in Wahlen nicht zu besiegen sei, so Borissow. Die Inszenierung passe in der Tat absolut zu den Lehrbüchern des KGB. Diese empfehlen ein „Kompromat“, also die Anfertigung und Veröffentlichung von kompromittierendem Material, das so aussagekräftig sei, dass die betroffene Person sich bis zum Selbstekel schämt. Er sei nicht das erste Mal das Opfer solcher Intrigen, so Borissow. Schon in früheren Zeiten habe es demnach massive Unterstellungen gegeben, die unter anderem von seinen angeblichen Immobilienbesitztümern in Barcelona und Los Angeles handelten. Selbst den Besitz einer griechischen Insel habe man ihm angedichtet. Dort sollte er angeblich gar einen Mordauftrag gegen ein Mannequin erteilt haben. All diese Vorwürfe seien selbstverständlich unwahr, so der bulgarische Ministerpräsident.

Redaktion poppress.de, A-055824