Polizeilicher Frust über Cannabisreform: Ein Gesetz am Limit?

Ingo Hörmann, Chef der Drogenfahnder in Hannover, übt deutliche Kritik an der aktuellen Umsetzung der deutschen Cannabis-Legalisierung.

heute 08:59 Uhr | 1 mal gelesen

Um eines vorwegzunehmen: Grundsätzlich ist Ingo Hörmann nicht gegen die Idee, Cannabis zu legalisieren – jedenfalls nicht kategorisch. Seine Bedenken entzünden sich eher daran, wie das Gesetz letztlich gestaltet und umgesetzt wurde. Und da hört bei ihm der Spaß auf, wie er dem 'Spiegel' schildert. Hörmann, der die zentrale Betäubungsmittel-Ermittlungsgruppe in Hannover leitet, sieht sich tagtäglich mit kuriosen und teils ärgerlichen Situationen konfrontiert: 'Dieses Jahr allein sind uns manche Dealer zehnmal ins Netz gegangen und wir mussten sie immer wieder laufen lassen. Einen Tag später stehen die wie selbstverständlich wieder in der Innenstadt.' Direkt Schuld sei, so Hörmann, das neue Gesetz von 2024. Die Rechtslage erlaubt es quasi, selbst bei größeren Mengen wie 25 Kilo Cannabis keine ernsthaften, unmittelbaren Konsequenzen zu fürchten – die Justiz beantragt in vielen Fällen keine Untersuchungshaft mehr. Solche Beispiele lassen ihn kopfschüttelnd zurück. Hörmann wünscht sich, dass der Staat bei offensichtlicher Drogenkriminalität nachhaltiger und konsequenter reagiert. Neben der laschen Ahndung stört ihn auch die Menge, die Erwachsene legal erwerben dürfen. 50 Gramm pro Monat im Club, das summiert sich laut seiner Rechnung auf etwa 150 Joints. Wer das binnen eines Monats raucht, ist aus Hörmanns Sicht schlichtweg 'ständig zugedröhnt' und vermutlich schon mit beiden Beinen in der Abhängigkeit. An manchen Stellen hätte sich der Drogenfahnder einen differenzierteren Blick und mehr Augenmaß gewünscht. Vielleicht wäre ein anderer Weg, das Thema anzugehen, besser gewesen – darüber nachzudenken, lohnt jedenfalls.

Ingo Hörmann, der die Drogenfahndung in Hannover leitet, sieht die jüngsten Änderungen des Cannabisgesetzes sehr kritisch. Ihm bereiten vor allem die deutlich geminderten strafrechtlichen Konsequenzen für Dealer und die aus seiner Sicht zu großzügigen Höchstmengen für den privaten Konsum Sorgen. Nach aktuellen Medienberichten hat die Legalisierung in mehreren Bundesländern zu Unsicherheiten und teils parallelen Schwarzmarktaktivitäten geführt; auch die Umsetzung der Regeln für Cannabis-Clubs verläuft nicht überall reibungslos, wie etwa in NRW und Bayern berichtet wird. Außerdem gibt es Streit um die Zuständigkeiten zwischen Polizei und Ordnungsbehörden sowie Unsicherheiten bei Grenzkontrollen – all das sorgt für Diskussionen über Sinn und Praxis der Legalisierung. Experten streiten weiterhin: Während einige eine Entlastung der Justiz begrüßen, warnen andere vor gesundheitlichen und kriminalpolitischen Risiken.

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