Künftig sollten Zugverspätungen schon ab drei Minuten als solche gelten – so handhabt man es ja auch in der Schweiz, betont Iffländer. Aktuell zählt man in Deutschland erst ab sechs Minuten. Außerdem fordert Pro Bahn, dass ausgefallene Züge nicht mehr einfach unter den Teppich gekehrt werden, sondern als verspätet mit einfließen. Der Pro-Bahn-Vorsitzende meint dazu: An der Gestaltung der Boni müsste sich der Minister diesmal wirklich die Zähne ausbeißen. Bahnmanager hätten es bislang fertiggebracht, das Ministerium mithilfe cleverer Definitionen und Ausnahmen zu überlisten. Schon dass nicht gefahrene Züge offiziell nicht als zu spät gewertet werden, sei ein absurdes Schlupfloch: Teilweise würden Halte gestrichen oder Umläufe so umgebogen, dass am Ende die Statistik stimmt – zumindest auf dem Papier. Ronald Pofalla etwa sah sich noch dicken Bonuszahlungen ausgesetzt, zu einer Zeit, als eigentlich bereits glasklar war, dass das Schienennetz eine Generalüberholung verträgt. Darum die Forderung: Holt euch Leute ins Boot, die bislang nicht schon am Modell gestrickt haben – sonst bleibt alles, wie es ist. Allein die Pünktlichkeit zu verfolgen, das reicht laut Iffländer übrigens nicht – auch dieser Wert lässt sich manipulieren. Als abschreckendes Beispiel gilt das Vorhaben einer ehemaligen Bahnmanagerin, Baustellen zu verschieben oder sein zu lassen, nur damit die Pünktlichkeit besser aussieht – zum Glück wurde diese absurde Idee abgewendet. Aus Sicht von Pro Bahn müsse sich das Ministerium insgesamt offener gegenüber externen Anregungen zeigen. Gerade im Dialog um die neue Infrastrukturgesellschaft InfraGO habe man einige konkrete Vorschläge gemacht, wie die Boni transparenter und fälschungssicher geregelt werden könnten. Leider fand das bisher kein Gehör.
Der Fahrgastverband Pro Bahn macht Druck auf das Verkehrsministerium: Nicht nur fordert er eine schärfere und transparentere Definition von Zugpünktlichkeit, sondern auch, dass Boni für Bahnmanager nicht mehr nach fingierten oder geschönten Zahlen vergeben werden. Während bislang teils absurde Schlupflöcher ausgenutzt wurden – etwa das gezielte Auslassen von Halten, um einen pünktlichen Rücklauf vorzutäuschen – sieht Pro Bahn dringend Handlungsbedarf, um eine leistungsfähigere und ehrlichere Bahn zu schaffen. Besonders die Grundsatzdebatte um die Ausgestaltung der Boni im Zusammenhang mit der neuen Bahn-Infrastrukturgesellschaft InfraGO gewinnt an Fahrt, auch weil die Unzufriedenheit der Fahrgäste wächst und der öffentliche Druck weiter zunimmt. Zusätzlich ist in aktuellen Medienberichten zu entnehmen, dass die neue Bahnstrategie auf noch mehr Baustellen stößt: Einige Forderungen, zum Beispiel nach einer einheitlichen europäischen Pünktlichkeitsdefinition oder besseren Ausgleichszahlungen für Fahrgäste, werden lauter. In der Politik wird zudem diskutiert, ob auch ökologische Aspekte oder die tatsächliche Netzqualität stärker bei Boni und Zielvorgaben der Bahnführung einfließen sollen. Diese Ausweitung der Debatte deutet darauf hin, dass die Bahn bei grundlegenden Strukturen und Anreizsystemen vor einem Wendepunkt steht.